Warsh vor Senat: Fed-Job mit Hindernissen
Kevin Warsh, ehemaliger Fed-Offizieller und Milliardär, tritt am Dienstag vor dem Senatsbankenausschuss an, um seine Nominierung für den Posten des Federal Reserve-Vorsitzenden voranzutreiben. Doch die Aussichten auf den Job sind ungewisser denn je: Die anhaltende Inflation, ausgelöst durch den Krieg im Iran und steigende Spritpreise, erschwert die von Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen. Zudem droht eine wirtschaftliche Verlangsamung.
Ungewöhnliche Konstellation: Powell bleibt im Amt?
Sollte Warsh tatsächlich zum Vorsitzenden gewählt werden, könnte sein Vorgänger Jerome Powell weiterhin im Fed-Direktorium sitzen – eine Situation, die zuletzt in den späten 1940er-Jahren vorkam. Dies könnte zu Spannungen führen.
Hauptkritikpunkte: Transparenz und politische Abhängigkeit
Warsh, dessen Vermögen laut jüngster Offenlegung über 100 Millionen Dollar beträgt, muss sich harten Fragen zu möglichen Interessenkonflikten stellen. Demokraten werfen ihm vor, intransparent zu agieren. Ein weiterer zentraler Streitpunkt: Trumps Forderung nach drastischen Zinssenkungen, die den Eindruck erwecken, Warsh sei als „politischer Erfüllungsgehilfe“ nominiert worden.
Die meisten Fed-Offiziellen lehnen eine Senkung des Leitzinses ab, da die Inflation wieder anzieht. Warsh betonte in seinen vorbereiteten Aussagen die Unabhängigkeit der Zentralbank – doch relativierte dies mit der Aussage, dass öffentliche Äußerungen von Politikern über Zinsen nicht automatisch eine Bedrohung darstellten. Trump drängt seit Monaten auf eine Senkung des aktuellen Zinsniveaus von rund 3,6 Prozent.
„Inflation ist eine bewusste Entscheidung – die Fed trägt dafür die Verantwortung.“
Kevin Warsh, in seinen vorbereiteten Reden für die Anhörung
Eine strikte Inflationsbekämpfung würde tendenziell höhere Zinsen bedeuten – im Gegensatz zu Trumps Wunsch nach einer lockeren Geldpolitik zur Konjunkturförderung.
Rechtliche Hürden und Blockadegefahr
Unklar ist, wann der Ausschuss überhaupt über Warshs Nominierung abstimmen kann. Der Justizministerium untersucht Powell und die Fed wegen eines umstrittenen Umbauprojekts eines Gebäudes. Senator Thom Tillis (Republikaner, North Carolina) kündigte an, Warshs Bestätigung bis zum Abschluss der Ermittlungen zu blockieren.
Senatorin Tina Smith (Demokratin, Minnesota) kritisierte das Vorgehen scharf:
„Offensichtlich gibt es eine Mehrheit im Ausschuss, die diese Nominierung nicht vorantreiben wird – besonders solange diese Scheinuntersuchung läuft. Es fühlt sich an, als würden wir nur pro forma handeln, ohne die grundlegenden Probleme dieser Nominierung anzugehen.“
Die Turbulenzen könnten einen reibungslosen Übergang von Powell zu Warsh zusätzlich erschweren.
Mögliche Szenarien und nächste Schritte
- Warsh muss Transparenz zu seinen Finanzengagements nachweisen – insbesondere zu Investitionen in Unternehmen, die von Fed-Politik betroffen sind.
- Die Inflationsentwicklung bleibt entscheidend: Sollte sie weiter steigen, könnte Warsh gezwungen sein, gegen Trumps Zinswünsche zu handeln.
- Die rechtlichen Ermittlungen gegen Powell könnten die Bestätigung Warshs verzögern oder sogar verhindern.
Fest steht: Warshs Weg in den Fed-Vorsitz ist mit mehr Hindernissen gepflastert als erwartet. Die Anhörung am Dienstag wird zeigen, ob er die notwendige Unterstützung im Senat erhält – oder ob sein Traum vom mächtigsten Zentralbankposten der Welt vorerst platzt.