Kinder von Migranten in der Obhut des Staates
Seit die Abschiebungen unter der Regierung von Donald Trump 2023 massiv zunahmen, stellt sich die Frage: Was passiert mit den Kindern, deren Eltern inhaftiert oder abgeschoben werden? Ohne nahe Angehörige oder Freunde, die die Verantwortung übernehmen, landen einige dieser Kinder in der Fremdunterbringung – doch genaue Zahlen fehlen.
Die US-Regierung erfasst nicht systematisch, wie viele Kinder betroffen sind. Auch die Datenlage der Bundesstaaten ist uneinheitlich. Unabhängige Berichte deuten darauf hin, dass in mehreren Staaten Kinder von Migranten in Pflegefamilien untergebracht wurden. In Oregon gab es laut Behörden mindestens zwei solche Fälle. Jake Sunderland, Pressesprecher des dortigen Sozialministeriums, bestätigte: "Vor Herbst 2023 ist so etwas nie vorgekommen."
Trauma und rechtliche Lücken
Die Trennung von den Eltern kann bei Kindern zu schweren psychischen Folgen führen, darunter posttraumatische Belastungsstörungen. Um dies zu verhindern, haben einige Bundesstaaten ihre Vormundschaftsgesetze angepasst. Eltern können nun vorsorglich eine vorläufige Vormundschaft für ihre Kinder einrichten, falls sie selbst inhaftiert oder abgeschoben werden.
In New Jersey wird aktuell ein Gesetz diskutiert, das Eltern erlaubt, eine solche Vormundschaft für den Fall von Tod, Krankheit oder – neu – Abschiebung durch Bundesbehörden zu benennen. Ähnliche Regelungen traten bereits 2023 in Nevada und Kalifornien in Kraft.
Angst vor Konsequenzen bremst Vorsorge
Trotz der neuen Möglichkeiten zögern viele Eltern, die Regelungen zu nutzen. Cristian Gonzalez-Perez, Anwalt der Organisation Make the Road Nevada, erklärt: "Sie fürchten, dass ihre persönlichen Daten an die Einwanderungsbehörde ICE weitergegeben werden und sie dadurch selbst zum Abschiebeziel werden."
Ein Fall aus der Praxis zeigt die Risiken: Die ICE nutzte Daten des Office of Refugee Resettlement, um Eltern zu identifizieren und festzunehmen – angeblich, um sie mit ihren Kindern zu vereinen. Dies unterstreicht die prekäre Lage vieler Migrantenfamilien.
Rechtliche Hürden bei der Wiedervereinigung
Selbst wenn Eltern aus der Abschiebehaft entlassen werden, ist die Rückkehr zu ihren Kindern oft kompliziert. Juan Guzman, Direktor für Kinderrecht bei der Alliance for Children’s Rights in Los Angeles, erklärt: "Die Wiedervereinigung erfordert oft gerichtliche Anordnungen und Programme, die in der Praxis schwer umsetzbar sind."
Die vorsorgliche Benennung eines Vormunds bietet Migrantenfamilien zumindest ein Stück Sicherheit in einer unsicheren Situation. Gonzalez-Perez betont: "Es ist ein kleiner Schritt, um das Gefühl der Hilflosigkeit zu verringern."
Hintergrund: KFF Health News und unabhängige Berichterstattung
Dieser Artikel stammt von KFF Health News, einem unabhängigen Nachrichtenportal, das sich auf Gesundheits- und Sozialpolitik spezialisiert. Die Redaktion untersucht unter anderem die Folgen von Einwanderungspolitik auf Familien. Der Artikel darf kostenlos weiterverwendet werden – weitere Details zur Nutzung sind auf der Website von KFF verfügbar.