George Retes, ein 25-jähriger US-Bürger und ehemaliger Soldat der US-Armee, arbeitete als Sicherheitsmitarbeiter auf einer legalen Cannabisfarm im kalifornischen Ventura County. Nach sieben Monaten im Nachtdienst freute er sich im Juli 2025 auf seinen ersten Tag im Schichtwechsel – ein Moment, der für ihn Hoffnung auf mehr Zeit mit seiner Familie bedeutete. „Ich mache alles für meine Kinder“, sagte Retes. „Das ist der Grund für alles.“

Doch dieser Tag entwickelte sich anders als geplant. Als Retes am 10. Juli 2025 zur Arbeit fuhr, traf er auf eine chaotische Szene: blockierte Straßen, verlassene Fahrzeuge und Protestierende. Im Rahmen der massiven Abschiebungsoffensive von Präsident Donald Trump, die im Frühjahr 2025 begann, waren Einwanderungs- und Zollbehörden (ICE) sowie Bundespolizei im Einsatz. Bis Juni 2025 wurden in Südkalifornien Hunderte Razzien durchgeführt, um täglich 3.000 Festnahmen zu erreichen. Nach den darauf folgenden Protesten in Los Angeles entsandte Trump rund 4.000 Nationalgardisten, um die Unruhen einzudämmen.

Retes erhielt keine Warnung von seinem Arbeitgeber und fuhr weiter. „Ich musste zur Arbeit. Ich brauchte das Geld, um meine Miete und den Lebensunterhalt für meine Kinder zu sichern“, erklärte er. Solche Szenen spielten sich während der zweiten Amtszeit Trumps tausendfach ab: Menschen wurden auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder einem Termin in eine Razzia verwickelt.

Als Retes die Farm erreichte, versperrten ihm ICE-Agenten den Weg. Er bat höflich, passieren zu dürfen, doch die Reaktion war aggressiv.

„Die Agenten brüllten mich an: ‚Verschwinde hier!‘, ‚Zurück in dein Auto!‘, ‚Du kommst nicht zur Arbeit. Die Farm ist geschlossen.‘
Ich fragte nach einer Dienstnummer, um meinem Chef mein Zuspätkommen zu erklären. Doch das machte sie nur noch wütender.“

Retes betonte mehrfach, dass er US-Bürger sei, doch die Beamten ignorierten seine Aussagen. „Die ersten Worte aus meinem Mund waren: ‚Ich bin Amerikaner, ich will nur arbeiten.‘ Aber sie interessierten sich nicht dafür. Von Anfang an waren sie feindselig.“

Statt eine Eskalation zu riskieren, folgte Retes den Anweisungen und fuhr zur Seite. Doch die Situation eskalierte weiter: Die Beamten setzten Tränengas ein und inhaftierten ihn. Später wurde er fälschlich beschuldigt, illegal in den USA zu sein – ein Vorwurf, den er vehement zurückwies. „Ich bin ein Kriegsveteran. Ich habe meinem Land gedient. Und dann das?“

Retes‘ Fall ist kein Einzelfall. Laut einem Bericht des Cato Institute aus November 2025 hatten etwa drei Viertel der ICE-Festgenommenen keine Vorstrafen und waren ansonsten gesetzestreue Einwanderer. Dennoch wurden auch US-Bürger wie Retes Opfer dieser Maßnahmen.

Die Vorfälle werfen erneut Fragen über die Legalität und Verhältnismäßigkeit der Abschiebungspolitik auf. Kritiker sehen darin einen systematischen Verstoß gegen Grundrechte, während Befürworter die harten Maßnahmen als notwendig für die Einhaltung der Einwanderungsgesetze verteidigen.

Quelle: Reason