Die Debatte über das oft kritisierte Krankenhausessen ist nicht neu – doch jetzt zieht die US-Regierung unter Präsident Trump die Daumenschrauben an. Das Gesundheitsministerium (HHS) unter Robert F. Kennedy Jr. fordert Kliniken und Pflegeheime auf, ihre Speisepläne an die neuen Ernährungsrichtlinien des US-Landwirtschaftsministeriums anzupassen. Dazu gehören unter anderem der Verzicht auf zuckerhaltige Getränke und bestimmte Fertigprodukte. Bei Nichteinhaltung droht der Entzug von Millionen an Bundesmitteln für Medicaid und Medicare.

Die Initiative zielt darauf ab, die Patientenverpflegung bis 2025 an die offiziellen Ernährungsempfehlungen anzupassen. „Wir werden alle Krankenhäuser im Land dazu bringen, gesunde Ernährung anzubieten“, erklärte Kennedy bei einer Pressekonferenz Ende März. Die Vorgaben gelten als „faktische Bundesvorgabe“, wie ein enger Berater des Ministers auf X (ehemals Twitter) betonte:

„Wenn ein Krankenhaus Patienten zuckerhaltige Getränke serviert, verstößt es gegen die staatlichen Standards und riskiert damit seine Zahlungen. Falls Sie solche Verstöße beobachten, melden Sie sie bitte über die HHS-Hotline.“

Die Drohung mit finanziellen Sanktionen ist ein scharfes Schwert: Die Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) haben solche Maßnahmen bisher nur selten eingesetzt. Selbst der Einsatz von Standard-Nahrungsergänzungsprodukten wie Ensure könnte Kliniken in Konflikt mit den neuen Regeln bringen, warnte der Berater. „Sie müssen sich ändern – oder ihre Erstattungen verlieren. Bitte melden Sie Verstöße.“

Medicaid und Medicare decken zusammen den Großteil der Krankenhauskosten in den USA ab. Die neuen Vorgaben wurden als „Conditions of Participation“-Update veröffentlicht, das sicherstellen soll, dass die Patientenverpflegung den Richtlinien entspricht. Ein HHS-Sprecher betonte:

„Wir würdigen die vielen Krankenhäuser, die bereits ihre Angebote verbessert haben, und erwarten, dass alle Gesundheitssysteme diesem Beispiel folgen.“

Doch die Initiative stößt auf scharfe Kritik. Ärzte und medizinische Fachkräfte werfen der Regierung vor, die individuellen Ernährungsbedürfnisse von Patienten zu ignorieren. Zudem sehen Republikaner in der Regelung einen unnötigen bürokratischen Eingriff in die medizinische Praxis. „Das ist vor allem politische Show“, kommentierte Kevin Klatt, Ernährungswissenschaftler und Assistenzprofessor an der Universität Toronto. „Das HHS hat nicht die Macht, das durchzusetzen. Und wer versucht, die Wahlfreiheit der Menschen einzuschränken, wirkt schnell wie ein autoritärer Staat.“

Auch rechtlich gibt es Zweifel an der Umsetzbarkeit. Ohne ein formelles Gesetzgebungsverfahren fehle dem HHS die notwendige Regulierungsbefugnis, warnen Juristen und Ernährungsberater. Ein Berater des Ministers reagierte auf Anfragen mit einem Post auf X:

„‚Trump-Derangement-Syndrom‘ führt dazu, dass Demokraten die medizinische Bedeutung von Massenausgabe an Limonade und Fast Food für Patienten verteidigen.“