US-Regulierung treibt Krypto-Nachfrage – und belastet Südamerikas Natur

Washington, D.C., und die Feuchtgebiete Südamerikas sind über 7.000 Kilometer voneinander entfernt. Doch eine Entscheidung aus der US-Hauptstadt könnte direkte Auswirkungen auf die Ökosysteme des Kontinents haben. Das GENIUS Act, im Juli 2025 von Ex-Präsident Donald Trump unterzeichnet, schreibt vor, dass Stablecoins – eine Kryptowährungsform – künftig vollständig durch US-Dollar oder US-Staatsanleihen gedeckt sein müssen. Damit erhält ein bisher kaum regulierter Markt eine formale Struktur.

Mehr Krypto-Nachfrage, mehr Energiebedarf

Experten warnen: Die Regulierung könnte die globale Nachfrage nach Kryptowährungen zusätzlich anheizen. Denn je stärker Stablecoins in das Finanzsystem integriert werden, desto mehr steigt der Bedarf an Rechenleistung für Mining und Datenzentren – und damit der Stromverbrauch. Besonders betroffen sind Länder wie Brasilien und Paraguay, wo bereits jetzt Krypto-Mining-Betriebe die ohnehin knappen Energieressourcen belasten.

Francis Wagner, Krypto-Experte bei Hurst Capital, erklärt:

"Das GENIUS Act hat mehr Potenzial, die globale Nachfrage nach Kryptowährungen zu steigern, als den Sektor zu bremsen."

Zwei Hotspots der Artenvielfalt in Gefahr

Die Folgen könnten besonders zwei der artenreichsten Regionen Südamerikas treffen:

  • Das Pantanal: Das größte tropische Feuchtgebiet der Welt erstreckt sich über Brasilien, Bolivien und Paraguay. Es ist abhängig vom hydrologischen Gleichgewicht des Paraguay-Flussbeckens, das für saisonale Überschwemmungen sorgt – essenziell für die Tierwelt.
  • Der Gran Chaco: Südamerikas größter Trockenwald reicht über Paraguay, Bolivien und Argentinien. Hier leben bedrohte Arten wie Jaguare, Riesenfaultiere und Hunderte Vogelarten, zudem traditionelle indigene Gemeinschaften.

Beide Ökosysteme stehen bereits unter Druck durch Bergbauprojekte, die günstige Energie für Krypto-Mining nutzen. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass der Stromverbrauch für Kryptowährungen bis 2026 um über 40 % steigen könnte. Zum Vergleich: 2022 verbrauchten Kryptowährungen etwa 110 Terawattstunden – das Fünffache des gesamten Strombedarfs Paraguays in einem Jahr.

Warum Krypto-Mining so energieintensiv ist

Der Grund für den hohen Energiebedarf liegt im Proof-of-Work-System, das für die Validierung von Transaktionen genutzt wird. Dabei konkurrieren tausende Computer weltweit darum, komplexe Rechenaufgaben zu lösen. Dieser Prozess läuft rund um die Uhr – und je höher der Kryptowährungspreis, desto mehr Miner beteiligen sich. Das treibt den Stromverbrauch weiter in die Höhe.

Cleber Leite, Direktor für nachhaltige Energie am brasilianischen Thinktank Instituto E+ Transição Energética, warnt:

"Krypto-Miner suchen gezielt nach günstigem Strom, oft in Regionen mit fragilen Ökosystemen. Das verschärft die Debatte über den Ausbau der Energieinfrastruktur in sensiblen Gebieten."

Forderungen nach nachhaltigeren Lösungen

Umweltschützer fordern strengere Regulierung des Krypto-Minings und den Einsatz erneuerbarer Energien. Doch bisher gibt es kaum verbindliche Vorgaben. Die IEA betont, dass ohne politische Weichenstellungen der Energiehunger der Krypto-Branche weiter wachsen wird – mit unkalkulierbaren Folgen für die Biodiversität Südamerikas.