USA beschlagnahmen iranisches Schiff im Hormus-Sund

Die USA haben am Sonntag ein iranisches Frachtschiff im Hormus-Sund angegriffen und beschlagnahmt. Laut US-Angaben versuchte das Schiff, die von den USA verhängte Seeblockade zu durchbrechen. Es war der erste Zwischenfall dieser Art seit Beginn der Blockade vor einer Woche.

Der Iran bezeichnete die Aktion als „Akt der Piraterie“ und als Verstoß gegen den bestehenden Waffenstillstand. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA zitierte das gemeinsame Militärkommando des Iran mit den Worten:

„Die USA verletzen internationales Recht und gefährden die fragile Waffenruhe.“

Ungewisse Zukunft der Waffenruhe

Der Zwischenfall wirft die Frage auf, ob die geplante Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran Bestand haben wird. Die Frist für den Waffenstillstand läuft am Mittwoch ab. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor neue Gespräche angekündigt, doch die jüngsten Entwicklungen lassen Zweifel an deren Umsetzung aufkommen.

Trump schrieb auf Social Media, ein US-Zerstörer im Golf von Oman habe das Schiff „Touka“ mehrfach aufgefordert, anzuhalten. Als das Schiff nicht reagierte, habe die US-Marine das Schiff durch einen Beschuss in den Maschinenraum gestoppt. US-Soldaten hätten nun die Kontrolle über das Schiff und untersuchten dessen Ladung. Ob es Verletzte gab, blieb unklar.

Iran zweifelt an neuen Verhandlungen

Während die USA die Beschlagnahmung als Erfolg darstellten, deutete der Iran an, dass die geplanten Gespräche nicht stattfinden könnten. Die staatliche Nachrichtenagentur Fars News berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, Präsident Masoud Pezeshkian habe in einem Telefonat mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif die US-Aktionen als „erpresserisch und unvernünftig“ bezeichnet.

Iranische Medien verwiesen darauf, dass zwei vorherige Verhandlungsversuche – im Juni 2023 und Anfang 2024 – durch israelische und US-Angriffe unterbrochen wurden. Außenminister Abbas Araghchi kritisierte in einem Gespräch mit seinem pakistanischen Amtskollegen die „widersprüchliche Rhetorik und mangelnde Seriosität“ der USA in den Verhandlungen.

Ölpreise steigen nach Zwischenfall

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung führte zu einem Anstieg der Ölpreise. Experten warnen vor einer Verschärfung der globalen Energiekrise, die bereits jetzt als eine der schwersten der letzten Jahrzehnte gilt.

Geplante Gespräche in Pakistan in Frage gestellt

Die USA hatten angekündigt, dass Vizepräsident JD Vance die US-Delegation bei den geplanten Gesprächen in Pakistan anführen werde. Neben Vance sollten auch die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner an den Verhandlungen teilnehmen. Die pakistanische Regierung bestätigte bisher keine weiteren Gespräche, verschärfte jedoch die Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad.

Ein regionaler Vermittler, der anonym bleiben wollte, erklärte, die Vorbereitungen für die Gespräche seien fast abgeschlossen. US-Sicherheitsteams seien bereits vor Ort. Iranische Quellen hatten zuvor mitgeteilt, neue Vorschläge aus den USA erhalten zu haben. Parlamentssprecher Mohammed Bagher Qalibaf betonte zwar, dass der Iran nicht von diplomatischen Lösungen abrücken werde, räumte jedoch ein, dass die Unterschiede zwischen den Parteien weiterhin groß seien.