Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat im Februar zwei geplante Änderungen der Bundesvorschriften für Schlachtbetriebe angekündigt. Kritiker befürchten, dass diese Maßnahmen Arbeiter gefährden, die öffentliche Gesundheit belasten und die Umwelt zusätzlich belasten könnten.
Höhere Bandgeschwindigkeiten in Geflügel- und Schweineschlachtung
Einer der Vorschläge sieht vor, die maximale Schlachtbandgeschwindigkeit in der Geflügelverarbeitung von derzeit 140 auf 175 Hühner pro Minute und von 55 auf 60 Puten pro Minute zu erhöhen. Bei Schweinen soll die Obergrenze komplett entfallen. Die öffentliche Kommentierungsphase zu den Vorschlägen endete letzte Woche.
USDA-Generaldirektorin Brooke Rollins argumentiert, dass die Änderungen „Produktionskosten senken und die Stabilität unseres Ernährungssystems stärken“ sowie „Lebensmittel erschwinglicher halten“ würden. Die Pläne passen in eine Reihe von Maßnahmen der Trump-Administration, die den Fleischkonsum in den USA fördern sollen – etwa durch die überarbeitete Ernährungspyramide mit stärkerem Fokus auf Protein.
Experten und Gewerkschaften lehnen die Pläne ab
„Das ist eine Verdopplung auf ein bereits marodes und umweltschädliches Ernährungssystem“, kritisiert Dani Replogle, Rechtsanwältin bei der Umweltorganisation Food & Water Watch, die öffentlich gegen die Vorschläge Stellung bezogen hat. „Die Gefahr von Verletzungen für die Arbeiter ist nicht von der Hand zu weisen.“
Der United Food and Commercial Workers (UFCW), eine Gewerkschaft, die Beschäftigte in der Lebensmittelindustrie vertritt, schätzt, dass über 22.000 Kommentare gegen die Geflügelregelung und über 20.000 gegen die Schweineregelung eingereicht wurden. Die Gewerkschaft, die bereits 2021 erfolgreich gegen eine ähnliche USDA-Entscheidung für Schweineschlachtbänder klagte, warnt davor, dass höhere Bandgeschwindigkeiten zu mehr Arbeitsunfällen führen werden.
Gefährliche Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen
Obwohl Teile der Schlachtlinie automatisiert sind, bleibt der Anfangsbereich – in dem Tiere in die Hallen getrieben werden – besonders riskant. In Geflügelbetrieben hängen Arbeiter die Tiere an den Beinen auf und sind dabei oft mit Kot bedeckt. In Schweineschlachthöfen bringen Beschäftigte die Tiere in Betäubungskammern. Im Gegensatz zu klimatisierten Bereichen sind diese Arbeitsplätze extremen Temperaturen ausgesetzt, was bei Hitze zu Hitzschlägen führen kann.
Weiter hinten an der Linie führen Arbeiter repetitive Schnitte mit Messern aus, oft Schulter an Schulter. Diese Tätigkeiten bergen Risiken wie Karpaltunnelsyndrom, Schnittverletzungen und sogar Amputationen. Studien zeigen, dass höhere Bandgeschwindigkeiten die Unfallquote erhöhen – eine Einschätzung, die das USDA in Frage stellt.
„Die USDA behauptet, dass ihre eigenen Studien keine erhöhten Verletzungsrisiken bei höheren Geschwindigkeiten belegen. Doch unabhängige Forschungsergebnisse und die Erfahrungen von Arbeitern widerlegen diese Aussage.“
Die endgültige Entscheidung des USDA steht noch aus. Sollten die Pläne umgesetzt werden, könnten sie nicht nur die Arbeitsbedingungen verschlechtern, sondern auch die Lebensmittelqualität und Umweltstandards weiter unter Druck setzen.