Am Ende einer holprigen Schotterpiste an der nordöstlichen Grenze der Crazy Mountains in Montana steht ein einfaches Schild: „Betreten verboten – Privatbesitz“. Für Brad Wilson, einen Fünftgenerationen-Montaner, markiert dieses Schild eine Niederlage mit weitreichenden Folgen. „Das Schicksal unserer öffentlichen Flächen und unserer Rechte steht auf dem Spiel“, sagt der ehemalige Sheriff und leidenschaftliche Jäger mit brüchiger Stimme.
Wilson wuchs zwischen den schneebedeckten Gipfeln und gewundenen Tälern der Crazy Mountains auf. Als Junge trieb er Schafe auf dem Hof seines Großvaters, heute durchstreift er die abgelegenen Hänge auf der Suche nach Elchen. Doch ein Landtausch zwischen dem US-Forstdienst und dem exklusiven Yellowstone Club – einem Luxus-Rückzugsort für Superreiche – hat ihm und anderen Einheimischen den Zugang zu einem historischen Wanderweg genommen. „Es ergibt keinen Sinn, das aufzugeben“, sagt Wilson sichtlich bewegt.
Der Weg führte jahrzehntelang auf die Ostseite der Crazy Mountains. Doch seit Anfang letzten Jahres ist er für die Öffentlichkeit gesperrt. Kritiker sehen darin ein Symbol für den wachsenden Einfluss privater Milliardäre auf Amerikas öffentliche Flächen – ein Trend, der sich unter der Trump-Administration verstärkt.
Öffentliche Flächen in Gefahr: Zahlen und Fakten
In den USA gibt es über 600 Millionen Hektar öffentliches Land – von Nationalparks bis zu Wäldern und Küstengebieten. Doch fast 90 Millionen Hektar sind durch politische Weichenstellungen der Trump-Regierungen akut bedroht. Beispiele:
- Indigenes Heiligtum in Arizona: Eine heilige Stätte wurde Anfang des Jahres an ein Kupferbergbauunternehmen übertragen.
- Landverkauf in Utah: Ein republikanischer Senator forderte im Sommer letzten Jahres den Verkauf von bis zu 3,2 Millionen Hektar öffentlicher Flächen im Westen.
- Minenprojekt in Minnesota: Der Senat hob kürzlich ein 20-jähriges Bergbauverbot auf Bundesland auf – ermöglicht nun ein Kupferbergwerk in ausländischem Besitz.
„Nirgendwo sonst tobt der Kampf um öffentliche Flächen und die dahinterstehenden Milliardäre so offen wie in den Crazy Mountains“, sagt Andrew Posewitz, Naturschützer und Sohn eines bekannten Umweltschützers. „Gute öffentliche Flächen und Zugänge wurden einfach an diejenigen verkauft, die sich die Crazy Mountains leisten konnten.“
Systematische Umverteilung oder Einzelfall?
Die Trump-Administration rechtfertigt die Maßnahmen mit wirtschaftlicher Entwicklung und Arbeitsplatzsicherung. Doch Kritiker wie Posewitz sehen eine gezielte Strategie: „Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um eine schrittweise Aushöhlung des öffentlichen Zugangs.“
Die Entwicklung wirft grundsätzliche Fragen auf: Wer entscheidet über die Nutzung öffentlicher Flächen? Und wie viel Einfluss dürfen private Interessen auf demokratisch verwaltete Ressourcen nehmen?
„Wenn wir zulassen, dass öffentliche Wege für Superreiche gesperrt werden, verlieren wir nicht nur Zugang zu Natur – sondern auch ein Stück unserer demokratischen Werte.“
— Andrew Posewitz, Naturschützer