In den bevorstehenden Midterm-Wahlen 2026 werden Wähler vor allem eines sehen: Donald Trump, Alexandria Ocasio-Cortez und den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. House Speaker Mike Johnson und Minderheitsführer Hakeem Jeffries hingegen bleiben in den Werbespots weitgehend unsichtbar – obwohl beide Parteien Millionen für ihre Unterstützung ausgeben.
Das berichten Parteistrategen gegenüber Axios. Der Grund: Johnson und Jeffries fehlt die polarisierende Wirkung, die sie zu idealen Angriffszielen in Wahlkampfwerbung machen würde. Stattdessen setzen Demokraten auf Trump als zentralen Feindbild in ihren Spots, während Republikaner Mamdani, AOC, die ehemalige Sprecherin Nancy Pelosi und sogar den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom in negativen Kampagnen einsetzen.
Eine Auswertung der Werbeplattform AdImpact durch Axios zeigt: Seit Januar wurden nur wenige republikanische Spots veröffentlicht, die Jeffries explizit erwähnen. Ein Beispiel ist der Kandidat Derek Merrin aus Ohio, der in einem Werbespot die Abgeordnete Marcy Kaptur mit Jeffries und Bernie Sanders vergleicht und betont, das Wahlkreis „brauche keinen weiteren Politiker“.
Die National Republican Congressional Committee wirft Jeffries zudem vor, mit dem Projekt „2026“ die USA nach links zu verändern. Auf demokratischer Seite sucht man vergeblich nach Werbespots, die Johnson direkt ansprechen.
Johnson und Jeffries: Unsichtbare Figuren mit neuem Image
Doch Jeffries sorgte am Montag auf andere Weise für Aufmerksamkeit. Die republikanische Abgeordnete Jen Kiggans aus Virginia steht unter Druck, nachdem sie in einem Radiointerview auf die Frage, ob Jeffries seine „cotton-picking hands off of Virginia“ nehmen solle, mit „Yes, yes to that“ antwortete. Kiggans distanzierte sich später von der Aussage und betonte, sie lehne solche Kommentare ab. Ihr Wahlkreis gilt als einer der umkämpftesten im Land.
Experten sehen einen historischen Trend: Wahlkampfstrategen nutzen oft die Parteiführer als Angriffsziele, um Kandidaten in umkämpften Distrikten zu schwächen. Nancy Pelosi war dafür jahrzehntelang das Paradebeispiel – sie wurde bereits 2006 als republikanische Hassfigur instrumentalisiert. Johnson und Jeffries hingegen gelten als zurückhaltende Hintergrundakteure, die im Vergleich zu radikalen Stimmen ihrer Parteien weniger Angriffsfläche bieten.
Ein demokratischer Stratege erklärte gegenüber Axios, die Partei betone gezielt, Johnson spiele als „Deputy Speaker“ nur eine Nebenrolle an der Seite Trumps. Damit soll der Eindruck verstärkt werden, Johnson sei kein eigenständiger Entscheidungsträger, sondern ein verlängerter Arm des ehemaligen Präsidenten.
„Johnson und Jeffries haben noch nicht genug Profil entwickelt, um als zentrale Angriffsziele zu dienen. Ihre Strategie ist es, im Hintergrund zu arbeiten – und genau das macht sie für Werbekampagnen unattraktiv.“
— Unbekannter demokratischer Stratege
Warum emotionale Feindbilder die Wahl entscheiden
Die Analyse zeigt: Erfolgreiche Wahlkampfwerbung lebt von starken Emotionen. Trump, AOC und Mamdani polarisieren – und genau das macht sie zu perfekten Zielen für negative Kampagnen. Johnson und Jeffries hingegen wirken wie neutrale Vermittler, die keine ausreichende Angriffsfläche bieten. Das könnte sich jedoch ändern, sobald sie in den Fokus der öffentlichen Debatte rücken.
Während die Parteien Milliarden in Werbung investieren, bleibt die Frage: Werden die Wähler Johnson und Jeffries überhaupt als relevante Figuren wahrnehmen – oder bleiben sie in den kommenden Monaten unsichtbar?