Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis setzt diese Woche die von der GOP dominierte Legislative seines Bundesstaates unter Druck, ein neues Gerrymandering-Projekt zu verabschieden. Gelänge dies, könnten vier weitere republikanische Sitze im US-Repräsentantenhaus entstehen. Damit würde der Vorstoß die vier Sitze ausgleichen, die Demokraten nach der jüngsten Wahlrechtsreform in Virginia gewonnen hätten.
Doch war der Einsatz der Demokraten in Virginia vergeblich? Haben sie damit erst recht republikanische Gegenmaßnahmen provoziert? Nein. Die Realität zeigt: Egal, was Demokraten tun – Präsident Trump und die Republikaner brechen seit Jahren demokratische Normen, um Macht zu sichern und zu behalten. Sie hätten Florida ohnehin manipuliert, unabhängig von Virginias Reformen.
Indem die Demokraten in Virginia aktiv wurden, haben sie zumindest den Schaden begrenzt und klar gemacht: Die Partei gibt in diesem Kampf nicht kampflos auf. Ein Blick auf die jüngere Geschichte des Gerrymanderings in den USA unterstreicht dies:
Republikaner dominieren durch systematische Wahlkreis-Manipulation
Während der 2010er-Jahre nutzten die Republikaner aggressives Gerrymandering, um in Staaten wie North Carolina und Wisconsin – wo Demokraten und Republikaner etwa gleich stark sind – deutliche Mehrheiten in Landesparlamenten und Kongressdelegationen zu sichern. Gleichzeitig übertrugen viele blaue und violette Staaten die Neuziehung der Wahlkreise unabhängigen Kommissionen, um faire Karten zu gewährleisten.
In den ersten beiden Jahren von Präsident Bidens Amtszeit versuchten demokratische Kongressabgeordnete, ein bundesweites Gesetz für unabhängige Wahlkreis-Kommissionen durchzusetzen. Doch Republikaner blockierten dies – unterstützt von den damaligen demokratischen Senatoren Joe Manchin und Kyrsten Sinema.
Im vergangenen Sommer forderte Trump texanische Republikaner auf, Wahlkreise außerhalb des regulären Zehn-Jahres-Rhythmus neu zu ziehen – ein klarer Bruch mit etablierten Verfahren.
Demokraten für faire Wahlen – Republikaner für Machtkalkül
Die Botschaft ist eindeutig: Demokraten wollen Gerrymandering beenden. Republikaner lieben es. Doch die Berichterstattung der Mainstream-Medien ignoriert diese Realität oft, aus Angst, als voreingenommen gegenüber den Republikanern zu gelten.
Gerrymandering ist nur eine von vielen demokratiefeindlichen Taktiken, die die Republikaner in den letzten Jahren eingesetzt haben:
- Blockade von Supreme-Court-Nominierungen: 2016 verhinderten sie die Bestätigung von Merrick Garland mit dem Argument, es sei zu nah an der Präsidentschaftswahl. 2020 bestätigten sie Amy Coney Barrett – nur Wochen vor der Wahl.
- Basislose Wahlanfechtungen: Nach der Niederlage 2020 reichten sie dutzende Klagen ein und stürmten schließlich das Kapitol, um die Bestätigung von Joe Biden zu verhindern.
- Einschränkung des Wahlrechts: In mehreren Bundesstaaten beschlagnahmen Republikaner Wahlunterlagen und behaupten ohne Belege Wahlbetrug.
- Justizielle Willkür: Die konservative Mehrheit am Supreme Court lässt die Trump-Administration regelmäßig Gesetze brechen – während sie unter Obama und Biden erlassene Exekutivmaßnahmen kippte.
Angesichts dieser Entwicklungen ist es schwer vorstellbar, dass die Republikaner auf Gerrymandering in Florida verzichtet hätten, wenn Demokraten in Kalifornien oder Virginia untätig geblieben wären. Es geht nicht um ein tit for tat, sondern um eine einseitige Machtstrategie. Die heutige Republikanische Partei glaubt nicht an neutrale politische Prozesse – sie will um jeden Preis die Kontrolle behalten.