Alison Rand ist Strategin, Autorin und Designführerin, die an der Schnittstelle von Designstrategie, Organisationsstruktur und Unternehmensabläufen arbeitet. Als ehemalige Entwicklerin prägte sie früh die UX-Praktiken bei Agenturen wie Huge und Hot Studio. Heute berät sie Unternehmen dabei, Komplexität zu entschlüsseln – etwa wie Menschen arbeiten, Entscheidungen entstehen und Kultur durch Strukturen geformt wird.

Zusätzlich absolviert sie ein Masterstudium in Strategischer Vorausschau an der University of Houston, gründete Forty Fifty, eine soziale Gesundheitsplattform für Frauen in den Wechseljahren, und veröffentlichte kürzlich das Buch Sentido im MIT Press Verlag. In einem Interview mit Doreen Lorenzo spricht sie darüber, wie man kreative Teams in Systemen führt, die nicht für sie gemacht wurden. Sie betont, warum Repräsentation und emotionale Arbeit zentrale Designaspekte sind – und wie Systemdenken und Vorausschau Designer befähigen, KI verantwortungsvoll zu nutzen.

Von der Kunstgeschichte zur Designstrategie

Rand beschreibt ihren Werdegang als verschlungen: Ursprünglich wollte sie Freskenrestauratorin werden und studierte Kunstgeschichte. Nach dem Abschluss riet ihr ihr Vater scherzhaft, sich einen Job zu suchen. So landete sie als Sekretärin bei IBM – und stieß auf die Intranet-Abteilung, wo sie mit Gleichaltrigen den Einstieg in die Dotcom-Ära erlebte. Dort lernte sie Programmieren, wurde Frontend-Entwicklerin und blieb ihrer kreativen Prägung treu.

„Ich bin in so viele Richtungen gestolpert“, sagt Rand. „Doch rückblickend habe ich die Chancen genutzt und bewusste Entscheidungen getroffen – etwa bei Huge, wo ich erstmals mit User Experience in Berührung kam, oder bei Hot Studio, wo ich als erste Mitarbeiterin das New Yorker Büro aufbaute und mehr über menschzentriertes Design lernte.“ Ihre Neugier auf Menschen und Beziehungen prägte ihren Weg – oft unbewusst, aber stets zielgerichtet.

„Sentido“: Ein Leitfaden für nicht-traditionelle Denker

Ihr Buch Sentido – spanisch für „Sinn“, aber mit Schichten wie Bedeutung, Richtung und Bewusstsein – ist sowohl eine persönliche Erzählung als auch ein Führungsratgeber. Es behandelt die Navigation in Systemen, die nicht für bestimmte Gruppen (etwa Frauen) konzipiert wurden. Themen wie Intuition, Identität und Macht spielen eine zentrale Rolle.

Sentido ist teilweise ein feministisches Manifest und ein Plädoyer für die emotionale Arbeit hinter der Führung kreativer Teams“, erklärt Rand. Ziel des Buches ist es, nicht-traditionelle Denker, Macher und Gestalter anzusprechen. Die Kernthese: Organische Intelligenz – also intuitive Fähigkeiten – ist ebenso wertvoll wie akademisches Wissen, wenn nicht sogar wichtiger.

„Widerstandsfähigkeit ist eine professionelle Superkraft. Sie formt uns, macht uns widerstandsfähiger und lehrt uns, Systeme zu hinterfragen.“

Systemdenken und KI: Verantwortung für die Zukunft

Rand betont, dass Design nicht nur Ästhetik, sondern auch Verantwortung bedeutet. Systemdenken und Vorausschau helfen Designern, KI mit mehr Urteilsvermögen, Intuition und Verantwortung einzusetzen. „Wir gestalten nicht nur Produkte, sondern auch die Zukunft“, sagt sie. „Dafür brauchen wir ein tiefes Verständnis für menschliche Bedürfnisse und die Konsequenzen unserer Entscheidungen.“

Ihr Rat an kreative Führungskräfte: Emotionale Arbeit ernst nehmen, Repräsentation fördern und Systeme aktiv mitgestalten – statt sich von ihnen einschränken zu lassen.