Seit mehr als einem Jahr belasten hohe Zölle die US-Wirtschaft. Präsident Donald Trump führte 2024 mit dem sogenannten "Liberation Day" einseitig zweistellige Importzölle auf Waren aus fast allen Ländern ein. Die Folgen sind in vielen Bereichen spürbar – auch dort, wo man sie nicht sofort vermuten würde: bei den Hausratversicherungsprämien.
Wie Zölle die Versicherungskosten erhöhen
Die Versicherungsplattform Insurify prognostizierte bereits Anfang 2025, dass die Zölle die jährlichen Versicherungskosten für Hausbesitzer im Schnitt um 106 US-Dollar erhöhen werden. Der Grund: Seit April 2025 gilt ein allgemeiner Zollsatz von 10 Prozent auf die meisten importierten Güter. Besonders stark betroffen sind Fahrzeuge, Autoteile, Stahl, Holz und Aluminium – hier liegen die Zölle bei bis zu 25 Prozent.
Die Wawanesa General Insurance Company erklärte dazu:
"Auf den ersten Blick scheinen diese Handelspolitik und Ihre Versicherungspolice nichts miteinander zu tun zu haben. Doch sie führen direkt zu höheren Prämien, weil Reparatur- und Ersatzkosten steigen. Steigen die Preise für Autoteile oder Baumaterialien, müssen Versicherer höhere Schadenssummen auszahlen. Diese Mehrkosten geben sie schließlich an die Kunden weiter – und das betrifft sowohl Autoversicherungen als auch Hausratpolicen."
Steigende Prämien und ihre Ursachen
Laut einer Erhebung von J.D. Power aus dem September 2024 haben fast die Hälfte (47 Prozent) aller Hausbesitzer in den USA innerhalb des letzten Jahres eine Erhöhung ihrer Versicherungsprämien erlebt. Dies ist die höchste Rate an Prämienerhöhungen seit über einem Jahrzehnt. Die National Association of Home Builders (NAHB) schätzt, dass die Zölle die Baukosten pro Haus um 10.900 US-Dollar erhöhen. Allein 2025 importierte die USA Baumaterialien im Wert von 14 Milliarden US-Dollar – etwa sieben Prozent der gesamten Baukosten.
Zölle trotz Urteil: Die Politik bleibt teuer
Im Februar 2025 erklärte der US Supreme Court Trumps ursprüngliche Zölle für verfassungswidrig, da sie auf einer falschen Rechtsgrundlage beruhten. Doch der Schaden war bereits entstanden: Amerikanische Unternehmen zahlten über 100 Milliarden US-Dollar an unrechtmäßigen Zöllen – eine Rückerstattung erfolgt nur schleppend. Noch im selben Monat führte Trump neue, 10-prozentige Globaltarife ein, diesmal auf einer anderen Rechtsgrundlage. Die Folgen sind bereits sichtbar: Laut NAHB sind die Preise für Konstruktionsholz im Vergleich zum Vormonat um 4,3 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 2,0 Prozent gestiegen.
Politische Lösungsansätze – bisher ohne Erfolg
Senatorinnen Jacky Rosen (D-Nev.) und Chris Coons (D-Del.) brachten im Februar 2025 einen Gesetzentwurf ein, der Baumaterialien von den neuen Zöllen ausnehmen soll. Bisher blieb der Entwurf jedoch im Ausschuss stecken.
Weitere Faktoren treiben die Kosten in die Höhe
Zölle sind jedoch nicht der einzige Grund für steigende Versicherungskosten. Nach der COVID-19-Pandemie stiegen die Holzpreise 2021 stark an – wenn auch bis 2023 wieder gesunken. Zusätzlich belasten extreme Wetterereignisse wie Hurrikans, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände die Versicherer. Die Travelers Insurance warnt:
"Hurrikans, Fluten, Dürren, Waldbrände und andere Naturkatastrophen werden häufiger, zerstörerischer und teurer."
Die Botschaft ist klar: Jede zusätzliche Belastung für die Bauindustrie – sei es durch Zölle oder Klimafolgen – führt zu höheren Kosten für Hausbesitzer. Wenn der Bau eines Hauses teurer wird, steigen auch die Versicherungskosten.
Fazit: Wer trägt die Last?
- Zölle erhöhen die Preise für Baumaterialien und Autoteile.
- Versicherer geben diese Mehrkosten an Kunden weiter – höhere Prämien sind die Folge.
- Extreme Wetterereignisse verschärfen das Problem zusätzlich.
- Politische Lösungen wie der Gesetzentwurf von Rosen und Coons stehen noch aus.
Hausbesitzer müssen sich auf weiter steigende Kosten einstellen – es sei denn, die Politik handelt.