Die USA stecken in einer tiefen Spielsucht-Krise. Sportwetten-Werbung ist allgegenwärtig, und Smartphone-Apps machen das Wetten so einfach wie nie. Vorhersagemärkte wie Polymarket und Kalshi haben diesen Trend noch beschleunigt: Hier kann jeder auf alles wetten – vom Wetter morgen bis zum Datum einer drohenden Militärinvasion. Trotz hoher Lebenshaltungskosten pumpen Millionen Amerikaner Milliarden in diese Märkte. Doch die Gewinne bleiben aus: Laut einer aktuellen Analyse des Wall Street Journal profitieren nur wenige Profis, Insider und Trading-Firmen mit besseren Informationen und Algorithmen. Der Rest verliert – ein alarmierendes Signal für dringend notwendige Regulierung.

Die Zahlen lügen nicht: 0,1 % der Nutzer kassieren alles

Die WSJ-Analyse zeigt ein erschreckendes Ungleichgewicht: 67 % aller Gewinne auf Polymarket gehen an gerade einmal 0,1 % der Konten. Seit November 2022 haben nur etwa 2.000 Nutzer fast eine halbe Milliarde Dollar eingestrichen. Bei Kalshi ist das Verhältnis noch extremer: Auf einen profitablen Nutzer kommen 2,9 unrentable Konten, wie eine Sprecherin des Unternehmens einräumt.

Der Markt boomt: Das Handelsvolumen stieg von 1,8 Mrd. Dollar im April 2025 auf 24,2 Mrd. Dollar im April 2026. Doch das System ist extrem unfair. Während Hobby-Trader gegen professionelle Händler antreten, die mit Bots und Hochgeschwindigkeits-Algorithmen operieren, verlieren die meisten auf Dauer. Da es keinen „Croupier“ wie in einem Casino gibt, wetten Nutzer direkt gegeneinander – und die Plattformen kassieren fleißig Gebühren.

Wo die meisten Nutzer ihr Geld verlieren

Einige Märkte sind besonders riskant für Gelegenheitswettern. Sportwetten gelten als die einfachste Beute für Profis, wie der ehemalige Pokerprofi Michael Boss erklärt, der auf Kalshi bis zu 60 Trades pro Minute platziert. „Sport hat die Aufmerksamkeit aller süchtigen jungen Männer“, sagt er. Noch düsterer sieht es bei Nischenwetten aus – etwa auf virale „Mention-Märkte“, bei denen Nutzer darauf wetten, ob eine Person ein bestimmtes Wort sagt. Hier sind die Renditen laut WSJ schlechter als bei Las Vegas-Slots.

Zwei Plattformen, zwei Ansätze – aber beide profitabel

Kalshi wird von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reguliert und hat zuletzt versucht, Insiderhandel einzudämmen. Polymarket, das erst kürzlich für eine begrenzte Zahl US-Nutzer freigeschaltet wurde, umgeht geografische Beschränkungen durch technische Tricks. Beide Plattformen verdienen prächtig – auf Kosten der meisten Nutzer.

„Es ist ein System, das von Anfang an darauf ausgelegt ist, dass die meisten verlieren.“ – Finanzexperte

Warum Regulierung unwahrscheinlich ist

Trotz der alarmierenden Zahlen ist eine wirksame Regulierung unwahrscheinlich. Die Trump-Familie pflegt enge Verbindungen zur Vorhersagemarkt-Branche – ein Hindernis für strengere Gesetze. Mit über 50 % der Amerikaner, die von Gehalt zu Gehalt leben, verschärft sich die soziale Ungleichheit weiter. Die Plattformen profitieren, während Millionen Nutzer in die Schuldenfalle tappen.

Experten fordern dringend Transparenz und Schutzmechanismen. Doch solange die Politik zögert und die Branche weiter wächst, bleibt das Risiko für die meisten Nutzer: Sie wetten nicht gegen den Markt – sie wetten gegen sich selbst.

Quelle: Futurism