Horror-Adaptionen aus Internet-Kulten wie Creepypastas oder Backrooms haben oft einen schlechten Ruf: Zu oft enden sie als billige B-Movies mit klischeehaften Schockeffekten und enttäuschenden Bewertungen. Doch der neue Film des Regisseurs Kane Parsons könnte diese Regel brechen – zumindest, wenn man seinen Aussagen bei der CCXP Mexico glaubt.

Ein Set, das unter die Haut geht

Parsons, der bereits eine erfolgreiche YouTube-Serie zum Thema Backrooms realisierte, setzt bei der Kinoadaption auf ein radikales Konzept: ein 30.000 Quadratmeter großes, begehbares Set, das die beklemmende Atmosphäre des Originals authentisch einfangen soll. Wie er im Gespräch mit dem Hollywood Reporter verriet, verloren sogar Mitglieder des Teams und Schauspieler den Überblick in den endlosen Gängen. „Manche sind wirklich verloren gegangen“, so Parsons. „Es fühlte sich an, als wäre man tatsächlich dort – das war schon seltsam.“

Keine Träume, sondern eine Falle fürs Gehirn

Ein zentrales Element der Backrooms ist ihre surrealistische Logik: Die Räume folgen keiner klassischen Architektur, sondern wirken wie ein endloses Labyrinth, das sich dem menschlichen Orientierungssinn widersetzt. Parsons erklärt:

„Ich vermeide bewusst die Vorstellung, dass die Backrooms ein traumhafter Ort sind, in dem sich Räume plötzlich ändern. Stattdessen nutzt die Geschichte die Fähigkeit des Gehirns, Räume zu kartieren und zu verstehen. Geht man zurück, kommt man zwar den ursprünglichen Weg entlang – aber er hört nie auf. Genau das erzeugt die Verwirrung und das Gefühl der Ausweglosigkeit.“

Diese Herangehensweise unterscheidet sich deutlich von typischen Horrorfilmen, die oft auf billige Jump-Scares oder generische Geisterhaus-Szenarien setzen. Stattdessen setzt Parsons auf räumliche Desorientierung als zentrales Element – eine Herausforderung, die im physischen Raum nur schwer umzusetzen ist.

Warum dieser Film anders sein könnte

Die meisten Adaptionen von Internet-Kulten scheitern an zwei Problemen: mangelnder Originalität und unzureichender Umsetzung. Viele Projekte reduzieren komplexe Konzepte auf oberflächliche Horror-Klischees, ohne die zugrundeliegende Atmosphäre zu transportieren. Die Backrooms sind jedoch mehr als nur ein gruseliges Setting – sie sind ein psychologisches Phänomen, das auf der Idee des „No-Clipping“ (dem Austritt aus der Realität) basiert.

Parsons versucht, diese surrealen Elemente in die physische Welt zu übertragen. Sein Fokus auf endlose Korridore, die immer gleichen gelben Wände und die akribische Detailtreue könnte den Unterschied machen. „Wenn sie es schaffen, diese Atmosphäre einzufangen, dann wird das ein Film, den man nicht so schnell vergisst“, heißt es in ersten Reaktionen.

Die Herausforderung: Liminale Räume im Kino

Liminale Räume wie die Backrooms sind schwer greifbar, weil sie sich jeder klassischen Logik entziehen. Während Videospiele wie Enter the Backrooms das Konzept bereits erfolgreich umgesetzt haben, steht der Film vor einer größeren Hürde: Wie übersetzt man ein digitales Unbehagen in eine physische Erfahrung?

Parsons‘ Lösung? Ein Set, das so groß und so realistisch ist, dass es die Zuschauer tatsächlich verunsichert. „Es geht nicht um billige Gruseltricks, sondern um das Gefühl, gefangen zu sein – ohne zu wissen, warum“, erklärt er. Ob ihm das gelingt, wird sich zeigen, sobald der Film in die Kinos kommt.

Fazit: Ein Hoffnungsschimmer für Horror-Adaptionen?

Wenn der Backrooms-Film hält, was Parsons verspricht, könnte er ein Vorbild für zukünftige Adaptionen werden. Statt auf generische Horror-Klischees zu setzen, zeigt er, wie man komplexe Internet-Kulte ernst nimmt – und daraus eine fesselnde Kinoerfahrung macht. „Manche werden ihn lieben, andere hassen – aber ignorieren wird ihn niemand“, prognostiziert ein Branchenkenner.