Chinas Außenminister Wang Yi hat am Mittwoch eine sofortige und umfassende Waffenruhe im anhaltenden Konflikt zwischen den USA und Iran gefordert. Seine Äußerungen könnten neue Impulse für die seit Wochen festgefahrenen Friedensbemühungen liefern.

Wang Yi äußerte sich „tief besorgt“ über die Lage und betonte die Dringlichkeit von Dialog und Verhandlungen. Seine Worte folgten auf ein Treffen mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi, der seit Beginn des Konflikts am 28. Februar erstmals wieder China besuchte. Die engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Pekings zu Teheran verschaffen China eine einzigartige Position, um auf die Islamische Republik einzuwirken.

Die USA drängen China, seinen Einfluss geltend zu machen und Iran dazu zu bewegen, die Straße von Hormus wieder für den internationalen Schiffsverkehr freizugeben. Diese Wasserstraße ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl- und Gaslieferungen sowie andere wichtige Güter.

Die Spannungen hatten sich zuletzt verschärft, nachdem die USA am Montag versucht hatten, die Straße von Hormus mit militärischer Präsenz wieder zu öffnen. Trotz vereinzelter Feuergefechte hält eine brüchige Waffenruhe weiterhin an. Die vorübergehende Schließung der Straße durch Iran hatte zuvor zu einem deutlichen Anstieg der globalen Brennstoffpreise geführt und die Weltwirtschaft zusätzlich belastet.

Der aktuelle Brent-Ölpreis liegt bei etwa 100 US-Dollar pro Barrel – deutlich über dem Niveau von rund 70 Dollar vor Ausbruch des Konflikts. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor angekündigt, die kurzfristigen Bemühungen zur Evakuierung gestrandeter Handelsschiffe in der Straße von Hormus auszusetzen, um eine diplomatische Lösung zu ermöglichen.

Geplante Gespräche auf höchster Ebene

Der Besuch Araghchis in Peking steht im Vorfeld eines hochrangigen Gipfeltreffens zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am 14. und 15. Mai in Beijing. Es wäre Trumps erster China-Besuch in seiner zweiten Amtszeit und der erste eines US-Präsidenten seit seinem letzten Besuch im Jahr 2017.

Wang Yi unterstrich in einer Videoaufzeichnung des Treffens:

„Wir sind der festen Überzeugung, dass ein umfassender Waffenstillstand dringend notwendig ist. Eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten ist inakzeptabel. Besonders wichtig ist es, sich weiterhin zum Dialog und zu Verhandlungen zu verpflichten.“

Der chinesische Außenminister betonte weiter, dass der Konflikt „bereits über zwei Monate andauert und nicht nur schwere Verluste für das iranische Volk verursacht hat, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf den regionalen und globalen Frieden hat. China ist zutiefst besorgt über diese Entwicklung.“

In einem Interview mit dem iranischen Staatsfernsehen aus Peking erklärte Araghchi, dass während seines Besuchs auch über die Straße von Hormus, das iranische Atomprogramm und die gegen Teheran verhängten Sanktionen gesprochen wurde. Araghchi betonte, dass Iran durch den Konflikt „eine gestärkte internationale Position“ erlangt habe und seine Fähigkeiten sowie Stärke unter Beweis stellen konnte.

Internationale Reaktionen und Forderungen

US-Außenminister Marco Rubio äußerte die Hoffnung, dass China Iran klar signalisieren werde, die Blockade der Straße von Hormus aufzuheben. Diese Maßnahme stellt für die USA das wichtigste Druckmittel dar, um Teheran zu Zugeständnissen in der umstrittenen Atomfrage zu bewegen.

Rubio sagte während einer Pressekonferenz im Weißen Haus:

„Ich hoffe, die Chinesen sagen ihm, was er hören muss.“