Demokraten setzen Trump und GOP unter Druck

Als Donald Trump im vergangenen Sommer republikanisch kontrollierte Bundesstaaten dazu drängte, ihre Kongresswahlkreise mitten in der Legislaturperiode neu zu ziehen, verfolgten die Republikaner ein klares Ziel: Sie wollten Dutzende Sitze hinzugewinnen, um die drohende "Blaue Welle" abzuwehren und die Mehrheit im Repräsentantenhaus bei den Midterms zu sichern. Trump feierte frühe Erfolge in Texas, Missouri und North Carolina. Doch die von ihm initiierte Neuverteilung der Wahlkreise entwickelt sich nicht wie geplant – die Demokraten wehren sich erfolgreich.

Virginia als Wendepunkt im Redistricting-Konflikt

Ein entscheidender Sieg gelang den Demokraten am Dienstag: Die Wähler in Virginia stimmten für einen neuen Wahlkreisplan, der den Demokraten bis zu vier zusätzliche Sitze bringen könnte. Damit gleichen sich die Kräfteverhältnisse in den Staaten an, die seit Sommer ihre Wahlkreise neu gezogen haben. Experten wie das Cook Political Report gehen inzwischen davon aus, dass die Republikaner drei Viertel aller umkämpften Rennen gewinnen müssten, um ihre Mehrheit zu halten. Die Demokraten gelten mittlerweile als „klare Favoriten“.

Dieser Ausgang entspricht nicht den Erwartungen Trumps und seiner Anhänger. Nach den scheinbar einfachen Erfolgen in Texas, Missouri und North Carolina folgten empfindliche Niederlagen: Die Republikaner in Indiana weigerten sich, ihre Wahlkreise neu zu ziehen. Auch in Kansas und Nebraska scheiterten entsprechende Pläne. Ohio verabschiedete zwar einen Kompromiss, der jedoch deutlich weniger günstig für die Demokraten ausgefallen wäre. In Utah kippte ein Gericht die bestehende Wahlkreisaufteilung, was wahrscheinlich zu einem Sitzgewinn der Demokraten führt. In Missouri könnte die Bevölkerung im November sogar die von den Republikanern durchgesetzte Wahlkreisreform blockieren.

Kalifornien und Virginia als Gegenstrategie

Während Demokraten in Kalifornien ein überraschendes Volksbegehren durchsetzten, um die republikanische Wahlkreisreform in Texas auszugleichen, haben nun auch die Demokraten in Virginia nachgezogen – obwohl der Prozess dort deutlich komplexer war. Die Demokraten mussten erst die Kontrolle über Parlament und Gouverneursamt zurückerobern, bevor sie die Neuverteilung der Wahlkreise vorantreiben konnten. Zudem galt es, die Wähler in einem Bundesstaat zu überzeugen, der deutlich weniger demokratisch geprägt ist als Kalifornien. Die Bürger stimmten für eine Verfassungsänderung, die genau die Art von parteiischer Wahlkreisziehung ermöglicht – etwas, das sie erst 2019 ausdrücklich ablehnten, als sie eine ähnliche Reform zugunsten einer unabhängigen Kommission blockierten.

„Die Wähler lehnen Wahlkreismanipulationen ab, aber sie hassen Trump noch mehr.“

Redistricting-Krieg noch nicht entschieden

Der Kampf um die Wahlkreisaufteilung ist jedoch noch nicht vorbei. Florida plant für nächste Woche eine Sondersitzung, um seine Kongresswahlkreise neu zu ziehen – ein Schritt, der den Republikanern zwischen zwei und fünf zusätzliche Sitze bringen könnte. Zudem könnte der Supreme Court in den kommenden Tagen einen zentralen Abschnitt des Voting Rights Act kippen. Dies würde wahrscheinlich einige Sitze zugunsten der Republikaner verschieben, allerdings hängt die Umsetzung davon ab, ob die Entscheidung noch vor den Midterms fällt – was für die meisten Südstaaten wohl zu spät wäre.

Ausblick auf die Midterms

Mit sinkenden Umfragewerten für Trump und einer zunehmend ungünstigen Wahlkreisaufteilung für die Republikaner deutet vieles darauf hin, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen im November deutlich im Vorteil sind. Die strategischen Fehler der GOP und die erfolgreiche Gegenwehr der Demokraten haben die Karten neu gemischt.