Floridas Gouverneur Ron DeSantis setzt auf eine umstrittene Strategie, um die staatliche Verfassung zu umgehen und die Kongresswahlkreise neu zu zeichnen. Ziel ist es, den Republikanern bundesweit einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Die geplante Neuziehung der Wahlkreise soll vor den Midterm-Wahlen im November in Kraft treten.
Die Verfassung Floridas verbietet es Gesetzgebern ausdrücklich, Wahlkreise mit der Absicht zu verzerren, eine politische Partei oder einen Amtsinhaber zu begünstigen. Doch DeSantis plant, diese Regelung auf drei Wegen zu umgehen:
- Geheime Kartenzeichnung: DeSantis hat die neuen Wahlkreise ohne Einbindung der Legislative in einem intransparenten Verfahren selbst entworfen. Normalerweise wäre dies Aufgabe des Parlaments. Die Karten wurden bisher nicht einmal den Abgeordneten vorgelegt – ein Novum in der Geschichte Floridas.
- Rechtliche Immunität durch Exekutivprivileg: Da DeSantis‘ Mitarbeiter die Karten zeichnen, kann er sich auf das Exekutivprivileg berufen, um gerichtliche Herausforderungen abzuwehren. Dies nutzte er bereits 2022 erfolgreich, um eine Klage gegen neue Legislativkarten abzuwehren. Zudem könnte die Anwendung des Apex-Doktrins – wonach Kläger zunächst niedrigere Mitarbeiter befragen müssen – Verfahren verzögern und Zeit gewinnen.
- Zeitdruck durch Gerichte: DeSantis setzt darauf, dass die Gerichte die „Purcell-Prinzip“ anwenden, die kurz vor Wahlen Änderungen an Wahlgesetzen einschränkt. Durch Verzögerungstaktiken könnte er die Karten rechtzeitig vor November durchsetzen – allerdings mit dem Risiko, dass Gerichte die Eile als verfassungswidrig einstufen.
Die Republikaner hoffen, mit Floridas Neuziehung der Wahlkreise einen Ausgleich für den jüngsten Sieg der Demokraten in Virginia zu schaffen. Dort hatte die Bevölkerung eine Verfassungsänderung gebilligt, die es der demokratisch dominierten Legislative ermöglicht, die Wahlkreise neu zu ziehen. Doch selbst wenn DeSantis‘ Pläne gelingen, ist der Erfolg nicht garantiert:
„Der Gegner hat auch eine Stimme. In einer Zeit, in der Unabhängige massiv gegen uns votieren und unsere Wähler nicht mobilisiert sind, könnten wir am Ende sogar Sitze verlieren“,warnt ein republikanischer Berater gegenüber Axios.