Minneapolis – Ein Schneeballwurf löste in Minneapolis eine gewaltsame Reaktion von Bundesbeamten aus. Wie Aufnahmen einer gemeinsamen Dokumentation von FRONTLINE und ProPublica zeigen, setzten die Agenten Tränengas, Pfefferspray und Pfeffergasgranaten ein. Die Vorfälle fanden nur fünf Tage nach der tödlichen Schießerei auf die Aktivistin Renee Good durch einen ICE-Agenten statt.
Konfrontation eskaliert nach Schneeballwurf
Bewohner des Stadtteils versammelten sich auf den schneebedeckten Straßen und protestierten gegen die Bundesbeamten. Ein Mann, Christian Molina, ein US-Bürger, wurde von den Agenten angehalten. Molina gab an, die Beamten hätten sein Auto verfolgt und gerammt, bevor sie ihn ohne Grund anhielten.
„Sie haben mich angesehen und beschlossen, mich ohne jeden Grund anzuhalten“, sagte Molina gegenüber Reporter A.C. Thompson von ProPublica.
Als ein Anwohner einen Schneeball in Richtung der Beamten warf, reagierte einer von ihnen mit dem Abfeuern einer Tränengasgranate.
„Ihr vergast ein ganzes Viertel“, rief ein Demonstrant. „Hier wohnen Menschen!“, ergänzte er empört.
Die Situation verschärfte sich weiter: Ein Agent besprühte Demonstranten und einen Fotografen aus nächster Nähe mit Pfefferspray. Ein weiterer Beamter feuerte Pfeffergasgranaten in die Menge – eine traf Thompson oberhalb des rechten Auges. Laut Bundesrichtlinien sollten solche Waffen nicht auf Kopf oder Gesicht gezielt werden.
Als die Beamten sich zurückzogen, schoss einer von ihnen aus dem fahrenden Fahrzeug Pfefferspray auf die Menge. Dabei wurden auch Mitglieder des Filmteams getroffen, darunter die Regisseurin Gabrielle Schonder und der Kameramann Tim Grucza, der direkt ins Gesicht gesprüht wurde.
Dokumentation zeigt systematische Gewaltanwendung
Die Aufnahmen sind Teil der neuen Dokumentation „Caught in the Crackdown“, die am 14. April veröffentlicht wird. Die gemeinsame Produktion von FRONTLINE und ProPublica untersucht, wie Bundesbeamte während der Einwanderungsrazzien der Trump-Administration in mehreren US-Städten – darunter Los Angeles, Chicago und Minneapolis – gegen Demonstranten und unbeteiligte Bürger vorgingen.
Laut der Dokumentation wurden Hunderte US-Bürger festgenommen, die gegen die Razzien protestierten oder diese beobachteten. Ihnen wurden regelmäßig Extremismus oder Terrorismus unterstellt. Experten kritisieren, dass dabei wiederholt gegen eigene Einsatzrichtlinien verstoßen wurde.
Trumps Einwanderungspolitik im Fokus
Die Trump-Administration rechtfertigte die harten Maßnahmen mit dem Schutz der US-Bevölkerung vor Kriminellen und illegalen Einwanderern. Die Dokumentation hinterfragt diese Darstellung und zeigt auf, wie die Razzien gezielt auch friedliche Proteste unterdrückten.
„Was hier zu sehen ist, ist ein Beispiel für exzessive Gewalt nach bereits überzogener Gewaltanwendung“, kommentierte ein ehemaliger Justizbeamter.
Forderungen nach Aufklärung und Konsequenzen
Die Vorfälle in Minneapolis werfen erneut Fragen nach der Verhältnismäßigkeit des Vorgehens von Bundesbeamten auf. Kritiker fordern eine unabhängige Untersuchung der Einsätze und Konsequenzen für die Verantwortlichen. Die Dokumentation „Caught in the Crackdown“ soll weitere Einblicke in die systematischen Missstände während der Einwanderungspolitik der Trump-Ära geben.