Jessie Ware verlässt sich auf bewährte Disco-Formel

Jessie Ware, die britische Sängerin, die mit ihrem Album What’s Your Pleasure? (2020) und dem Nachfolger That! Feels! Good! (2023) als Disco-Pop-Ikone gefeiert wurde, präsentiert mit Superbloom ihr neuestes Werk. Doch während die Produktion glänzt und die vertrauten Elemente des Genres vorhanden sind, wirkt das Album weniger innovativ als seine Vorgänger.

Von Soul zu Disco-Pop: Ware’s musikalische Entwicklung

Bis 2020 blieb Ware vor allem dem Soul und avantgardistischen Klängen treu, bevor sie mit What’s Your Pleasure? einen radikalen Stilwechsel vollzog. Das Album kombinierte Disco- und Funk-Elemente mit einer opulenten Produktion und wurde während der Pandemie zu einem musikalischen Trostspender. That! Feels! Good! steigerte diesen Ansatz noch, indem es Camp-Elemente und Studio-54-Glamour einband. Superbloom setzt diesen Kurs fort, wirkt jedoch in Teilen wie eine Wiederholung bewährter Muster.

Überproduktion und vertraute Klänge

Das Album besticht durch üppige Arrangements mit funkigen Basslines, glitzernden Synths und atmenden Background-Gesängen. Doch trotz des opulenten Sounds fehlt es an frischen Ideen. Die Disco-Ästhetik wirkt stellenweise wie ein Selbstzitat, als hätte Ware ihre ursprüngliche Vision – die Disco als spirituellen Rückzugsort zu inszenieren – bis zur Neige ausgeschöpft. Kritiker bemängeln, dass die Produktion zwar glänzt, aber die musikalische Substanz darunter leidet.

Höhepunkte und schwächere Momente

Trotz der insgesamt enttäuschenden Bilanz gibt es auf Superbloom einige lohnenswerte Tracks:

  • „Ride“: Ein cleverer Mix aus Ennio Morricones The Good, the Bad and the Ugly-Theme und modernem Disco-Pop. Der ikonische Pfiff wird hier zu einem luxuriösen, raumgreifenden Hook.
  • „Don’t You Know Who I Am“: Ein mitreißender Track, der an die emotionale Wucht von Donna Summer und Gloria Gaynor erinnert. Ware zeigt hier ihre stimmliche Stärke.
  • „16 Summers“: Eine berührende Ballade, die an Broadway-Musicals erinnert. Ware widmet sie ihren Kindern und verarbeitet darin persönliche Verluste, die sie in den letzten Jahren erlebte.

Persönliche Note vs. musikalische Stagnation

Besonders „16 Summers“ sticht hervor, da es die emotionale Tiefe des Albums unterstreicht. Ware verarbeitet darin den Tod mehrerer Freunde und Kollaborateure – ein Thema, das sie während der Entstehung des Albums beschäftigte. Die Mischung aus Trauer und Dankbarkeit verleiht dem Song eine besondere Authentizität. Dennoch bleibt die Frage, ob die musikalische Formel nicht zu sehr auf Bewährtes setzt.

„Superbloom zeigt Jessie Weres Stärken – opulente Produktion und emotionale Tiefe. Doch die fehlende Innovation macht das Album zu einem enttäuschenden Abgesang auf ihre Disco-Ära.“

Fazit: Ein Album mit Licht und Schatten

Superbloom ist kein schlechtes Album, aber es wirkt wie ein Schritt zurück. Die Produktion ist makellos, die Texte berührend, doch die musikalische Entwicklung bleibt aus. Fans der früheren Werke werden einige Highlights finden, doch wer auf frische Ideen hofft, könnte enttäuscht sein. Ware hat bewiesen, dass sie eine Meisterin des Disco-Pop ist – doch diese Meisterschaft wirkt auf Superbloom wie ein Déjà-vu.

Quelle: AV Club