KI-generierter Val Kilmer spaltet Hollywood
Die Filmindustrie steht erneut in der Kritik, nachdem ein neues Projekt mit einer KI-generierten Version des verstorbenen Schauspielers Val Kilmer für Aufsehen sorgt. Der 65-jährige Kilmer, bekannt aus Filmen wie Top Gun, starb im Februar 2023 an den Folgen von Krebs. Sein digitales Abbild soll nun in dem Independent-Film As Deep as the Grave eine zentrale Rolle übernehmen – obwohl Kilmer selbst aufgrund seiner Krankheit nicht mehr an den Dreharbeiten teilnehmen konnte.
Wie die KI-Technologie den Film ermöglichte
Laut Variety war Kilmer ursprünglich für die Rolle eines katholischen Priesters und eines indianischen Schamanen vorgesehen. Nach seinem Tod einigten sich die Filmemacher mit seinem Nachlass auf die Nutzung von KI, um die Produktion abzuschließen. Das Ergebnis: Eine unheimliche Simulation des Schauspielers, die in einem Trailer gezeigt wird. In einer Szene reitet die KI-Version Kilmers mit verhangenem Gesicht und tiefem Schattenwurf durch eine Landschaft – ein Bild, das viele Zuschauer irritiert hat.
„Fürchtet nicht den Toten und fürchtet mich nicht“, sagt die KI-Stimme im Trailer zu einem Kind. Die visuelle und technische Umsetzung des Films, darunter stark geschärfte CGI-Effekte, wurde in sozialen Medien sofort als „zu künstlich“ kritisiert. Kommentare wie „Der ganze Trailer wirkt wie KI“ oder „Passend, dass eine Leiche aus dem Grab gerissen wird“ spiegeln die ablehnende Haltung vieler Nutzer wider.
Posthume KI-Rollen: Ein wachsendes Branchenproblem
Kilmers Fall ist kein Einzelfall. Bereits zuvor wurden verstorbene Stars wie Carrie Fisher, Paul Walker oder James Dean mit digitalen Techniken in neuen Produktionen eingesetzt – allerdings mit deutlich höherem Aufwand und Kosten. Die generative KI hat diese Praxis nun demokratisiert: Selbst Laien können mit Tools wie OpenAIs ehemaliger Text-to-Video-App Sora Videos von Verstorbenen erstellen. Die ethischen Grenzen verschwimmen zusehends.
Schauspieler und Fans reagieren mit Empörung
Die Debatte um die Kommerzialisierung des digitalen Nachlebens hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Besonders scharf geht der Schauspieler Jackson Rathbone (Twilight) mit dem Projekt ins Gericht. In einem wütenden Tweet bezeichnete er die Nutzung als „das EINZIG DÜMMSTE, was ich je gesehen habe“ und forderte die Gewerkschaft SAG-AFTRA auf, Stellung zu beziehen:
„Hey SAG-AFTRA, was ist mit dem Streik, den wir hatten… Ihr schuldet uns eine Erklärung.“
Rathbone richtete seine Kritik auch an Kilmers Tochter Mercedes Kilmer, die den Filmemachern die Nutzung des digitalen Abbilds ihres Vaters gestattet hatte. In einem weiteren Tweet fragte er provokant: „Tut es dir leid um deinen Verlust? Oder nutzt du den Tod deines Vaters für finanziellen Gewinn?“
Mercedes Kilmer verteidigte die Entscheidung in einer Stellungnahme gegenüber Variety. Ihr Vater habe neue Technologien stets als „Werkzeug zur Erweiterung des Storytellings“ betrachtet. Tatsächlich hatte Kilmer selbst nach seinem Kehlkopfkrebs mit KI experimentiert, um seine Stimme zu klonen. Doch während einige die Innovation begrüßen, sehen andere darin eine „Ausbeutung der Toten“.
Wer profitiert – und wer verliert?
Die Kontroverse berührt grundlegende Fragen: Darf die Kreativität eines Verstorbenen kommerziell genutzt werden? Wo endet die künstlerische Freiheit – und wo beginnt die Ausnutzung? Die Filmindustrie argumentiert, dass solche Technologien neue kreative Möglichkeiten eröffnen. Kritiker hingegen warnen vor einem Dammbruch, bei dem Prominente posthum zu Werbefiguren degradiert werden.
Einig ist sich die Branche nur in einem: Die Debatte ist längst überfällig. Während Studios wie Disney bereits KI-generierte Inhalte in ihre Produktionen integrieren, bleibt die ethische und rechtliche Grundlage oft unklar. Die SAG-AFTRA hatte 2023 in einem historischen Streik versucht, Regeln für den Einsatz von KI zu definieren – doch die Umsetzung hinkt hinterher.
Eines ist sicher: Solange die Technik verfügbar ist und die Nachfrage nach „digitalen Legenden“ besteht, wird die Diskussion weitergehen. Val Kilmers KI-Rolle ist nur der Anfang.