Die Welt setzt zunehmend auf Solarfarmen und Batteriespeicher – so schnell, wie es die Lieferketten zulassen. Doch die USA kämpfen gegen einen Markt, den sie nicht mehr kontrollieren können. | Ritesh Shukla/Getty Images
Seit Thomas Edisons Pearl-Street-Kraftwerk in Lower Manhattan im Jahr 1882 erstmals Strom lieferte, basierte die globale Energieversorgung auf Kohle. Sie überstand Öl, Atomkraft, den Boom von Erdgas und Jahrzehnte schwankender Klimapolitik. Von den 1970er-Jahren bis Mitte der 2010er deckte Kohle konstant 35 bis 40 Prozent des weltweiten Strombedarfs – ein schmutziger, aber unverzichtbarer Grundpfeiler der Moderne.
Doch dieser unangefochtene Status quo ist Geschichte. Laut dem Global Electricity Review 2026 von Ember erzeugten erneuerbare Energien im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom als Kohle: 33,8 Prozent gegenüber 33 Prozent. Ein historischer Moment – die letzte Überschneidung dieser beiden Energiequellen datiert aus dem Jahr 1919, als das globale Stromnetz noch klein genug war, um hauptsächlich von Wasserkraft gespeist zu werden.
Während die Kohle schrumpft, steigt die Sonne zur dominierenden Kraft auf. Als 2015 das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet wurde, produzierte Solarenergie weltweit gerade einmal 256 Terawattstunden (TWh) Strom. Zum Vergleich: Atomkraftwerke lieferten damals etwa das Zehnfache, Windenergie das Dreifache. Heute hat sich die Solarstromproduktion verzehnfacht – auf 2.778 TWh. Das entspricht dem gesamten Stromverbrauch der Europäischen Union in einem Jahr. Allein in den letzten drei Jahren hat sich die Solarstromerzeugung verdoppelt.
Seit 21 Jahren ist Solarenergie die am schnellsten wachsende Stromquelle der Welt. 2025 überholte sie erstmals die Windkraft und wird in diesem Jahr voraussichtlich auch die Atomkraft hinter sich lassen. Obwohl die Welt weiterhin riesige Mengen Kohle verbrennt – die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt den Verbrauch 2024 auf 8,8 Milliarden Tonnen – deckte Solarenergie allein 75 Prozent des globalen Strommehrbedarfs. Kombiniert mit Windenergie wurden sogar 99 Prozent des Anstiegs abgedeckt.
Die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas) sank 2025 um 0,2 Prozent – der erste Rückgang seit der Pandemie und erst das fünfte Mal in diesem Jahrhundert, dass fossile Energien nicht zulegten. Saubere Energiequellen wachsen mittlerweile so schnell, dass sie den Großteil des globalen Strombedarfs decken können. Und es gibt Anzeichen, dass sich dieser Wandel weiter beschleunigen könnte – etwa durch die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten.
Warum der Solarboom kein Zufall ist
Der Aufstieg der Solarenergie ist vor allem eine Frage der Kosten. Seit über 40 Jahren sinken die Preise für Solarmodule um etwa 75 Prozent pro Jahrzehnt. Dieses Phänomen, bekannt als Swansons Gesetz, besagt, dass die Preise um 20 Prozent fallen, sobald sich die weltweit installierte Solarkapazität verdoppelt. Diese Regel hielt selbst Krisen wie Lieferengpässe, Handelskriege und Pandemien stand. In den 1970er-Jahren kostete ein Solarpanel noch mehrere tausend Dollar pro Watt. Heute liegt der Preis bei unter 0,20 Dollar pro Watt – ein Rückgang um mehr als 99 Prozent.
Doch die Kostensenkung ist nur ein Teil der Erfolgsgeschichte. Parallel dazu haben sich die Effizienz von Solarzellen und die Speichertechnologien für Solarstrom deutlich verbessert. Batteriespeicher ermöglichen es, den tagsüber erzeugten Solarstrom auch nachts oder bei Bewölkung zu nutzen. Zudem haben viele Länder ihre Subventionen für erneuerbare Energien erhöht und den Ausbau beschleunigt, um ihre Klimaziele zu erreichen.
„Die Energiewende ist keine Option mehr – sie ist eine Notwendigkeit. Die Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber wir müssen noch schneller handeln, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.“
– Dr. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA)
Trotz aller Fortschritte bleibt die Herausforderung enorm. Die weltweite Stromnachfrage steigt weiter, und viele Entwicklungsländer setzen weiterhin auf Kohle, um ihre wachsenden Volkswirtschaften zu versorgen. Doch die Dynamik hat sich verändert: Während die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen in vielen Industrieländern rückläufig ist, wächst die Akzeptanz für erneuerbare Energien – auch dank sinkender Kosten und verbesserter Technologien.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Welt es schafft, die Energiewende so schnell umzusetzen, wie es die Klimakrise erfordert. Eines ist jedoch klar: Die Ära der Kohle als dominierende Energiequelle ist vorbei. Die Sonne hat das Ruder übernommen – und sie wird nicht mehr loslassen.