Die Familie des ehemaligen College-Fußballspielers J.T. Davis, der in den 1950er-Jahren für die Southern Methodist University (SMU) auflief, hat einen historischen Sieg gegen die National Collegiate Athletic Association (NCAA) errungen. Ein Gericht verurteilte die Organisation zu einer Schadenersatzzahlung von insgesamt 140 Millionen Dollar – davon 30 Millionen Dollar als Ausgleichsschaden und 110 Millionen Dollar als Strafschadenersatz.

Davis starb 2001 nach langjährigem Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit. Eine posthum durchgeführte Untersuchung ergab 2017, dass er an chronischer traumatischer Enzephalopathie (CTE) im Stadium 4 litt – einer degenerativen Hirnerkrankung, die durch wiederholte Gehirnerschütterungen ausgelöst wird.

Die Familie reichte 2020 Klage gegen die NCAA ein. In der Beschwerde wurde unter anderem darauf verwiesen, dass die NCAA bereits seit 1933 in ihren medizinischen Richtlinien auf die Risiken von Gehirnerschütterungen hinwies. So hieß es dort, Spieler mit Symptomen sollten mindestens 48 Stunden pausieren, bei länger anhaltenden Beschwerden sogar bis zu 21 Tage oder länger vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Zudem warnte das Handbuch vor dem sogenannten „punch-drunk“-Syndrom – einer Folge wiederholter Gehirnerschütterungen, die Boxer und Footballspieler besonders gefährde.

Laut der Klage wusste die NCAA um die langfristigen Folgen wiederholter Kopfverletzungen, unterließ es jedoch, Spieler ausreichend zu warnen. Zudem habe die Organisation gegen ihre eigene Satzung verstoßen, die eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Risiken vorsah.

Die NCAA bestritt in einer Stellungnahme, dass CTE durch wiederholte Kopfstöße verursacht werde. Zudem behauptete sie, CTE sei eine „hypothetische Erkrankung“ ohne nachgewiesene Symptome. Diese Haltung könnte maßgeblich zum hohen Schadenersatzurteil beigetragen haben.

NCAA plant Berufung ein

Die Organisation hat bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Angesichts der Höhe der Summe ist davon auszugehen, dass der Fall bis in die höchsten Instanzen getragen wird. Eine mögliche Reduzierung oder Aufhebung des Urteils durch ein höheres Gericht bleibt jedoch möglich.

Experten sehen in dem Fall ein Präzedenzurteil, das zeigt, wie motivierte Kläger mit kompetenter Rechtsvertretung Beweise zusammentragen können, um Geschworene von der Verantwortung des Beklagten zu überzeugen. Die NFL vermied ähnliche Klagen ehemaliger Spieler, indem sie bereits vor Jahren einen Massenvergleich schloss. Die NCAA hingegen entschied sich für einen Rechtsstreit – und verlor.