Gemeinde blockiert Wasserversorgung für umstrittenes Datenzentrum

Ypsilanti Township in Michigan hat beschlossen, die Wasserversorgung für ein geplantes Rechenzentrum zu stoppen, das für die Atomwaffenforschung genutzt werden soll. Der Stadtrat verhängte am Mittwoch ein einjähriges Moratorium für die Lieferung von Wasser an hyperskalierte Rechenzentren, um die Auswirkungen des hohen Wasserbedarfs zu prüfen.

Kritik an geplantem Datenzentrum

Das geplante 220.000 Quadratmeter große Rechenzentrum im Hydro Park von Ypsilanti Township soll vom Los Alamos National Laboratory (LANL) – rund 1.500 Meilen entfernt – für Atomwaffenforschung genutzt werden. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 1,2 Milliarden US-Dollar.

Laut Steven Ceccio von der University of Michigan würde das Zentrum täglich 500.000 Gallonen Wasser verbrauchen. Die Universität plante ursprünglich, das Wasser über die Ypsilanti Community Utilities Authority (YCUA) zu beziehen. Die YCUA hat sich in den letzten Wochen für ein Moratorium für die Wasserversorgung von Rechenzentren und KI-Computing-Einrichtungen eingesetzt.

Umwelt- und Sicherheitsbedenken

Die YCUA verwies auf eine Studie der American Water Works Association und betonte, dass hyperskalierte Rechenzentren einen hohen Wasserverbrauch haben. „Sie gelten als hochbelastende Kunden für Wasserversorger“, heißt es in einer Präsentation der Behörde.

Das Moratorium gilt für zwölf Monate, in denen die YCUA eine langfristige Wasseranalyse durchführen und Nachhaltigkeitsstudien prüfen wird. „Während dieser Zeit werden keine Kapazitätsreservierungsverträge abgeschlossen“, so die Behörde.

Moralische und strategische Bedenken

Die Gemeinde steht dem Projekt kritisch gegenüber. Viele Anwohner lehnen die Nutzung von Parkland für ein Zentrum ab, das an Atomwaffenforschung beteiligt ist. Neben ethischen Bedenken gibt es auch Sicherheitsbedenken: Ein Anwalt der Gemeinde warnte, das Zentrum mache Ypsilanti Township zum „hochwertigen Ziel“ in einem möglichen Konflikt. Als Beispiel nannte er die jüngsten Angriffe auf Datenzentren an der Golfküste durch den Iran.

Die USA befinden sich in einem neuen atomaren Wettrüsten. Das Pentagon fordert neue Nuklearwaffen, und der Haushaltsentwurf 2027 sieht fast eine Verdopplung der Mittel für die Entwicklung neuer Kernwaffen vor. Die University of Michigan betont jedoch, dass das Rechenzentrum keine Waffen herstellen, sondern lediglich die Sicherheit und Zuverlässigkeit des bestehenden Arsenals durch Simulationen gewährleisten soll.

„Los Alamos ist für die nukleare Bewahrung zuständig – nicht für Tests an Waffen, sondern für die Nutzung fortschrittlicher Computermodelle, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit unseres Arsenals ohne neue Tests zu gewährleisten, insbesondere da unsere Bestände altern. Computermodelle sind ein wichtiges Werkzeug für LANL, um diese Mission zu erfüllen.“
– Steven Ceccio, University of Michigan

Nächste Schritte

Die Gemeinde wird in den kommenden Monaten die Umweltauswirkungen und Sicherheitsrisiken des Projekts prüfen. Sollte das Moratorium nicht verlängert werden, könnte das Rechenzentrum doch noch realisiert werden.

Quelle: 404 Media