Bigeye Shiner: Symbol für gesunde Gewässer in Illinois

In den Flüssen und Bächen Süd-Illinois deutet ein Schwarm Bigeye Shiners – kleiner Süßwasserfische – auf intakte Gewässer hin. Der Bigeye Shiner steht auf der Liste bedrohter Arten des Bundesstaates und überlebte trotz jahrzehntelanger Zerstörung seines Lebensraums durch Bauprojekte und landwirtschaftliche Abwässer. Doch nun gefährdet ein Machtkampf zwischen zwei staatlichen Behörden seine Zukunft.

Konflikt zwischen Umwelt- und Verkehrsministerium

Im vergangenen Sommer eskalierte ein Streit zwischen dem Illinois Department of Natural Resources (IDNR) und dem Illinois Department of Transportation (IDOT). Das IDNR hatte das IDOT aufgefordert, vor Baubeginn in Union County zu prüfen, ob der Bigeye Shiner in dem Gebiet lebt. Falls ja, sollten Schutzmaßnahmen ergriffen werden, bevor mit den Arbeiten begonnen wird. Das IDOT lehnte ab – mit der Begründung: „Fische schwimmen weg.“

Dokumente, die WBEZ und Grist einsehen konnten, zeigen, dass das IDOT seit 2023 wiederholt Empfehlungen des IDNR ignoriert hat. Dabei geht es um 11 Fälle im vergangenen Jahr, in denen das Verkehrsministerium möglicherweise gegen das Illinois Endangered Species Protection Act verstoßen hat. Dieses Gesetz soll bedrohte Arten vor öffentlichen Bauprojekten schützen.

Wie der Artenschutz in Illinois funktioniert

Das Illinois Endangered Species Protection Act – älter als das bundesweite Pendant – schützt 513 Arten, darunter auch national geschützte Tiere wie den rusty patched Bienenfresser, den Piping Plover und den Grauwolf. Die Regelungen sind zwar umstritten, da sie Bauprojekte verzögern und verteuern können, doch sie haben sich bewährt: Ohne sie wären viele Arten wie der Weißkopfseeadler oder der Grizzlybär bereits ausgestorben.

Doch der Artenschutz in den USA steht unter Druck. Unter der Trump-Administration wurden bereits Pläne vorgelegt, die Definition von „Schädigung“ einer Art zu streichen. Zudem scheiterte ein Vorstoß der Republikaner im Kongress, das föderale Endangered Species Act auszuhebeln. Auch in Illinois zeigt sich, wie fragil der Schutz bedrohter Arten ist – besonders wenn Behörden gegeneinander arbeiten.

Föderale vs. staatliche Artenschutzgesetze

Während das föderale Endangered Species Act seit 1973 fast 1.700 Arten in den USA unter Schutz stellt, haben die meisten Bundesstaaten eigene Gesetze. Illinois gehört zu den Vorreitern, doch die Umsetzung scheitert oft an politischen und wirtschaftlichen Interessen. Kritiker warnen, dass solche Konflikte langfristig zu einem Rückgang der Artenvielfalt führen könnten.

Was kommt als Nächstes?

Umweltschützer fordern eine klare Regelung, um solche Machtkämpfe zu vermeiden. Das IDNR betont, dass Bauprojekte auch ohne Verzögerungen umsetzbar seien – wenn frühzeitig Schutzmaßnahmen geplant werden. Doch das IDOT bleibt bei seiner Haltung: „Wir priorisieren Infrastrukturprojekte und sehen keinen Handlungsbedarf.“

Der Fall des Bigeye Shiner zeigt, wie schnell Artenschutz in den Hintergrund gerät – selbst in einem Staat mit fortschrittlichen Umweltgesetzen. Sollte sich die Situation nicht ändern, könnten weitere Arten das Schicksal des kleinen Fisches teilen.

„Artenschutz darf kein Verhandlungsgegenstand sein – weder zwischen Behörden noch zwischen Politik und Wirtschaft.“
– Umweltaktivist:in

Quelle: Grist