Iranische Milizen als destabilisierende Kraft im Irak

Während die Weltöffentlichkeit auf die Spannungen am Persischen Golf blickt, eskaliert im Irak ein stiller Wirtschaftskrieg: Iran-gestützte Milizen greifen gezielt die Ölindustrie an. Diese Gruppen, die offiziell unter irakischen Sicherheitsstrukturen operieren, unterstehen faktisch Irans Revolutionsgarden und verfolgen die Interessen Teherans.

Sechs Terrororganisationen im Fokus

Angeführt werden die Milizen von sechs von den USA als Terrororganisationen eingestuften Gruppen. Ihr Hauptziel: Die Vertreibung amerikanischer und westlicher Präsenz aus der Region. Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran haben diese Milizen Hunderte Angriffe in Irak und Nachbarländern durchgeführt – viele davon richteten sich gegen die kritische Energieinfrastruktur.

Ölindustrie als Hauptziel – fatale Folgen für Irak

Die irakische Ölindustrie ist das Rückgrat der Staatsfinanzen: Rund 90 Prozent der Einnahmen des Bundeshaushalts stammen aus dem Ölsektor. Die jüngsten Angriffe haben bereits zu massiven Produktionsausfällen geführt. Experten warnen, dass selbst nach Ende der Gewalt Jahre vergehen könnten, bis die Schäden behoben und das Vertrauen internationaler Investoren zurückgewonnen ist.

Ein Rückzug westlicher Unternehmen würde nicht nur Iraks Wirtschaft treffen, sondern auch die Abhängigkeit von Iran weiter verstärken. Gleichzeitig verlieren amerikanische Firmen die Chance, ihre Marktposition in einem der rohstoffreichsten Länder der Welt zu sichern.

Konkrete Angriffe auf Ölfelder und Raffinerien

Die Milizen setzen gezielt Drohnen und Raketen ein. Zu den jüngsten Vorfällen gehören:

  • Sarsang-Ölfeld (Kurdistan): Im März und April 2026 zweimal angegriffen. Der US-amerikanische Betreiber HKN Energy musste die Produktion einstellen und prüft die Schäden.
  • Lanaz-Raffinerie (Kurdistan): Mehrheitlich im Besitz kurdischer Eliten. Die Milizen werfen der Regionalregierung vor, mit Washington zu kollaborieren.
  • Baiji-Raffinerie (Zentralirak): Größte Raffinerie des Landes – ein Drohnenabsturz in der Nähe deutet auf gezielte Angriffe hin.
  • Ölfelder in Zentralirak: Am 4. April 2026 koordinierter Angriff auf Infrastruktur ausländischer Betreiber. Mindestens zwei Felder waren bereits zuvor Ziel von Angriffen.

Auch internationale Unternehmen außerhalb des Westens sind betroffen:

  • PetroChina: Drohne stürzte nahe einer Anlage in Zentralirak ab.
  • Buzurgan-Ölfeld: Lagerstätten wurden attackiert – ein chinesisches Staatsunternehmen führt hier Entwicklungsarbeiten durch.

Iraks Premierminister zwischen Ost und West

Mohammed Shia al-Sudani, amtierender Premierminister nach den Wahlen im November 2025, setzt auf verstärkte westliche – insbesondere amerikanische – Investitionen in den Energiesektor. Er versucht, ausländische Unternehmen von der Sicherheit im Land zu überzeugen. Doch die anhaltenden Angriffe untergraben diese Bemühungen massiv.

„Die Angriffe zielen nicht nur auf Infrastruktur ab, sondern auf die wirtschaftliche Souveränität Iraks.“
– Sicherheitsexperte, anonym

Langfristige Risiken für Irak und die Region

Die Strategie Irans, durch Stellvertreterkriege Druck auf den Irak auszuüben, hat schwerwiegende Konsequenzen:

  • Wirtschaftlicher Kollaps: Ohne funktionierende Ölindustrie droht Irak eine tiefe Rezession.
  • Investitionsflucht: Westliche Unternehmen ziehen sich zurück – China und Iran füllen die Lücke, stärken aber ihre Abhängigkeiten.
  • Sicherheitsvakuum: Die Milizen agieren zunehmend unkontrolliert und destabilisieren die Region weiter.

Experten warnen, dass ohne entschlossenes internationales Eingreifen die Ölindustrie Iraks für Jahre lahmgelegt bleiben könnte – mit globalen Auswirkungen auf die Energieversorgung.