In den USA kämpfen Tierschützer*innen seit Jahren gegen die Haltung von Zuchtsauen in Gestationsboxen. Diese winzigen Käfige verhindern, dass die hochintelligenten und sozialen Tiere sich auch nur drehen können. Jetzt versucht der Kongress, die von Wähler*innen beschlossenen Verbote in Kalifornien und Massachusetts zu kippen.
Was sind Gestationsboxen?
Gestationsboxen sind enge Käfige, in denen Zuchtsauen während ihrer Trächtigkeit gehalten werden. Die Boxen sind so klein, dass die Tiere sich nicht einmal umdrehen können. Diese Praxis wird seit den 1970er-Jahren in der US-Schweineindustrie eingesetzt, um die Fütterung und Überwachung der Tiere zu erleichtern. Doch die Folgen sind gravierend: Die Tiere leiden unter chronischem Stress, zeigen stereotypes Verhalten wie das Beißen an den Gitterstäben und werden nach etwa fünf Jahren, wenn ihre Fruchtbarkeit nachlässt, geschlachtet.
Volksabstimmungen setzen klare Zeichen
Die Tierquälerei in Gestationsboxen hat in den USA zu massiver Kritik geführt. In mehreren Bundesstaaten haben Wähler*innen per Volksabstimmung gegen diese Praxis entschieden:
- Florida (2002): Verbot von Gestationsboxen für Zuchtsauen.
- Arizona (2006):同样es Verbot wie in Florida.
- Weitere sieben Bundesstaaten: Schrittweise Abschaffung der Boxen.
Doch erst 2016 änderte sich die Lage grundlegend: Massachusetts führte ein Gesetz ein, das nicht nur die Haltung von Zuchtsauen in Gestationsboxen verbot, sondern auch den Verkauf von Schweinefleisch aus Betrieben, die solche Käfige nutzen – selbst wenn diese außerhalb des Bundesstaates lagen. Die Abstimmung endete mit einer überwältigenden Mehrheit von 78 Prozent für das Verbot. Zwei Jahre später folgte Kalifornien mit 63 Prozent Zustimmung.
Die Schweineindustrie wehrt sich
Trotz der klaren Volksentscheide kämpft die Schweineindustrie weiter gegen die Verbote. Sie klagte vor Gericht – und verlor in allen Instanzen. Jetzt versucht sie, über den Kongress Einfluss zu nehmen. Im Rahmen des House Farm Bill wurde eine Gesetzesvorlage eingebracht, die die staatlichen Verbote aushebeln soll. Ein Teilerfolg: Die Vorlage wurde in den Entwurf aufgenommen. Jetzt liegt der Ball im US-Senat, der seinen eigenen Entwurf des Farm Bill ausarbeitet.
Wissenschaftler*innen und Tierschützer*innen schlagen Alarm
Die renommierte Tierverhaltensforscherin Temple Grandin vergleicht Gestationsboxen mit der Zwangsunterbringung eines Menschen in einem Flugzeugsitz. Die Tiere leiden unter extremen Stress, was zu Verhaltensstörungen führt. Kritiker*innen argumentieren, dass die Boxen nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch unnötig sind. Moderne Haltungsformen ermöglichen eine artgerechtere Unterbringung, ohne die Produktivität der Betriebe zu gefährden.
«Die Gestationsboxen sind eine der grausamsten Praktiken in der modernen Landwirtschaft. Die Tiere haben keine Möglichkeit, ein natürliches Verhalten auszuüben – das ist Tierquälerei.»
Was kommt jetzt?
Die Zukunft der Gestationsboxen hängt nun vom US-Senat ab. Sollte die Gesetzesvorlage des Kongresses verabschiedet werden, könnten die Verbote in Kalifornien und Massachusetts ausgehebelt werden. Tierschützer*innen und Verbraucher*innen fordern jedoch eine bundesweite Regelung, die Gestationsboxen endlich verbietet. Bis dahin bleibt der Kampf gegen diese grausame Praxis ein zentrales Thema im Tierschutz.