Havanna, 28. April 2026 – Ein Motorradfahrer beobachtet, wie ein beschädigter Wagen von einem Abschleppdienst weggezogen wird. Im Hintergrund prangt ein Wandgemälde, das die US-Blockade gegen Kuba symbolisiert. Die Szene spiegelt die angespannte Lage wider, während die USA ihre Drohungen gegen das Regime in Havanna verschärfen.
„Wir könnten nach Kuba fahren, nachdem wir hier fertig sind“, äußerte sich US-Präsident Donald Trump kürzlich in einer Anspielung auf den Konflikt mit dem Iran. Es war nicht das erste Mal, dass er Kuba als „nächstes“ Ziel auf der Agenda seiner Regierung bezeichnete. Seit Januar hat die Trump-Administration den „maximalen Druck“ auf das sozialistische Inselregime deutlich erhöht – insbesondere nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, eines engen Verbündeten Kubas. Die USA beschränkten daraufhin drastisch die Ölimporte nach Kuba, das bereits unter flächendeckenden Stromausfällen litt.
Nun bereitet das Pentagon verschiedene militärische Optionen für einen möglichen Einsatz auf der Karibikinsel vor. Senatsdemokraten zeigen sich alarmiert und haben ein Gesetz eingebracht, um militärische Aktionen gegen Kuba zu blockieren. Doch während die Rhetorik eskaliert, laufen parallel diplomatische Gespräche: Eine Delegation des US-Außenministeriums besuchte Anfang April Havanna – der erste offizielle Besuch eines US-Regierungsflugzeugs seit dem gescheiterten Annäherungsversuch unter Ex-Präsident Barack Obama.
Die amerikanische Delegation überreichte eine Liste mit Forderungen: wirtschaftliche Reformen, Freilassung politischer Gefangener, Entschädigungen für US-Bürger und Unternehmen, deren Besitz nach der Revolution 1959 enteignet wurde, sowie die Zulassung von Starlink-Internet auf der Insel.
Kuba: Ein ewiger Streitfall der US-Politik
Seit Fidel Castros Machtübernahme 1959 steht die Frage im Raum, wie die USA mit dem nur 90 Meilen vor ihrer Küste gelegenen Regime umgehen sollen. Trump, der sich nach erfolgreichen Militäroperationen in Venezuela und dem Iran als starker Mann inszeniert, scheint überzeugt, dass er die „Kuba-Frage“ lösen kann. „Mein ganzes Leben lang hörte man: Wann wird die USA endlich handeln? Ich glaube, ich werde die Ehre haben, Kuba zu ‚lösen‘“, erklärte er kürzlich.
Doch was bedeutet „Kuba lösen“ konkret? Für Regimegegner in beiden Ländern wäre der Sturz der kommunistischen Führung und die Aufhebung der US-Blockade das Ziel. Doch die Realität könnte anders aussehen. Die aktuelle US-Administration scheint einen weiten Begriff von „Regimewechsel“ zu haben – der nicht zwangsläufig den Sturz der Regierung bedeutet. So beließ Washington etwa Delcy Rodríguez, die ehemalige Vizepräsidentin Venezuelas, im Amt, drohte aber mit weiteren Militäraktionen, falls sie sich nicht an die Vorgaben hält. In Iran hingegen sprach Trump nach der Tötung des Obersten Führers Ali Chamenei und weiterer hochrangiger Offizieller von einer „weniger radikalen und vernünftigeren“ neuen Regierung – obwohl diese seine Forderungen kaum erfüllt.
Würde das Venezuela-Modell in Kuba funktionieren?
Die USA haben Kuba seit den frühen 1960er-Jahren mit einem umfassenden Embargo belegt. Doch ein direkter militärischer Angriff oder ein Regimewechsel nach venezolanischem Vorbild wäre riskant. Kuba verfügt über eine gut ausgebildete Armee, enge Verbindungen zu Russland und China sowie eine Bevölkerung, die trotz wirtschaftlicher Not mehrheitlich hinter der Regierung steht. Eine Invasion könnte zu einem langwierigen Guerillakrieg führen – ähnlich wie in Afghanistan oder Irak.
Experten gehen daher davon aus, dass die USA eher auf eine Kombination aus wirtschaftlichem Druck, gezielten Sanktionen gegen Funktionäre und eine schrittweise Isolierung des Regimes setzen werden. Die jüngsten Gespräche in Havanna könnten ein erster Schritt sein, um die Spannungen zu entschärfen – oder aber eine Vorstufe zu weiteren Eskalationen. Eines ist jedoch sicher: Die „nächste“-Drohung Trumps wird die Debatte über Kubas Zukunft weiter anheizen.