Seit zwei Monaten tobt der Krieg zwischen den USA und dem Iran, doch ein Ende ist nicht in Sicht. Beide Konfliktparteien beanspruchen für sich, die Lage zu kontrollieren. Doch ein klarer Sieger ist bisher nicht auszumachen – und das hat vor allem einen Grund: China beobachtet die Entwicklungen mit großer Aufmerksamkeit.

James Palmer, stellvertretender Chefredakteur von Foreign Policy und Autor des China Brief-Newsletters, erklärt im Podcast Today, Explained, welche Schlüsse die Volksrepublik aus dem militärischen Vorgehen der USA zieht. Besonders interessiert Peking daran, wie schnell die USA ihre Munitionsvorräte aufbrauchen und welche Verbündeten im Ernstfall an ihrer Seite stehen würden. Diese Erkenntnisse könnten für mögliche zukünftige Konflikte im Pazifik entscheidend sein.

Chinas strategische Interessen im US-Iran-Konflikt

Die Beziehung zwischen China und dem Iran ist von pragmatischer Zusammenarbeit geprägt, trotz ideologischer Unterschiede. Beide Länder sehen sich als Gegner der aktuellen Weltordnung und teilen kommerzielle sowie geopolitische Interessen. Palmer betont:

"China und der Iran sind zwar keine natürlichen Verbündeten, aber sie haben gemeinsame Feinde – insbesondere die USA. Diese Allianz ist vor allem eine Frage der Zweckmäßigkeit."

Trotz der ideologischen Gegensätze – China unterdrückt die muslimische Minderheit der Uiguren, während der Iran in der Vergangenheit Kommunisten verfolgte – arbeiten beide Staaten eng zusammen. Es gibt zahlreiche Austauschprogramme, darunter Pilotentrainings und sogar eine iranische medizinische Fakultät an der Beijing University of Chinese Medicine.

Militärische Lehren für Peking

Für China steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, was die USA militärisch leisten können – und wo ihre Schwächen liegen. Ein zentraler Punkt ist die Munitionsproduktion und Nachschubfähigkeit. Die USA verbrennen in diesem Krieg ihre Bestände in einem Tempo, das Peking alarmiert. Palmer erklärt:

"China analysiert genau, wie schnell die USA ihre Vorräte aufbrauchen und ob sie in der Lage sind, diese in einem längeren Konflikt zu ersetzen."

Darüber hinaus beobachtet Peking, wie die USA mit ihren Verbündeten umgehen. Trumps Politik gegenüber Partnern könnte sich in einem zukünftigen Konflikt als kostspielig erweisen. China zieht daraus den Schluss, dass eine enge Zusammenarbeit mit Alliierten entscheidend ist, um in einem möglichen Krieg gegen die USA bestehen zu können.

Trotz aller strategischen Überlegungen setzt sich China weiterhin für eine sofortige Waffenruhe ein. Warum? Weil ein eskalierender Konflikt im Nahen Osten die globalen Handelsrouten gefährden und damit auch Chinas wirtschaftliche Interessen beeinträchtigen würde.

Quelle: Vox