Die New Yorker Hochfrequenzhandelsfirma Jane Street hat kürzlich einen Antrag auf Abweisung einer Klage eingereicht, die ihr vorwirft, sich durch Insiderwissen während des Zusammenbruchs des Terra-Ökosystems im Jahr 2022 einen ungerechtfertigten Vorteil verschafft zu haben.
Der Kläger, Todd Snyder, ist der Verwalter der insolventen Terraform Labs und hatte Jane Street sowie drei Mitarbeiter – darunter den Mitgründer Robert Granieri – im Februar verklagt. Snyder behauptet, das Unternehmen habe von nicht öffentlichen Informationen profitiert, die ihm durch exklusive Zugänge ermöglicht worden seien.
Jane Street widerspricht diesen Vorwürfen vehement. In einem am Donnerstag eingereichten Schriftsatz argumentiert das Unternehmen, dass alle Trades erst nach der öffentlichen Bekanntgabe der relevanten Informationen getätigt wurden. „Die Klage ist in sich widersprüchlich“, heißt es in dem Dokument. Als Beleg führt Jane Street an, dass der größte Einzelverkauf von 85 Millionen UST-Stablecoins nur zehn Minuten nach der angeblichen Veröffentlichung der nicht öffentlichen Informationen erfolgt sei.
Hintergrund des Terra-Crashs
Der Zusammenbruch des Terra-Ökosystems im Mai 2022 führte zu Verlusten in Höhe von rund 40 Milliarden US-Dollar und löste eine Kettenreaktion aus, die unter anderem den Kollaps der Krypto-Börse FTX zur Folge hatte. Der Gründer von Terraform Labs, Do Kwon, verbüßt derzeit eine 15-jährige Haftstrafe wegen Betrugs.
Zeitliche Diskrepanzen in den Vorwürfen
Snyder wirft Jane Street vor, dass der Mitarbeiter Bryce Pratt, der bis September 2021 als Praktikant bei Terraform Labs tätig war, über einen geheimen Kanal nicht öffentliche Informationen erhalten habe. Diese sollen genutzt worden sein, um am 7. Mai 2022 rechtzeitig UST-Stablecoins zu verkaufen und Verluste zu vermeiden.
Jane Street weist dies zurück. Das Unternehmen betont, dass der Verkauf der 85 Millionen UST-Stablecoins eine Reaktion auf die sinkende Stabilität des Coins war und nicht auf Insiderwissen beruhte. Zudem habe das Unternehmen ab dem 8. Mai 2022 Short-Positionen auf UST und LUNA eröffnet – also Wetten auf fallende Kurse. Snyder behauptet, diese Entscheidung sei auf Insiderwissen über ein geplantes Rettungspaket zurückzuführen. Jane Street hingegen gibt an, die Short-Positionen vor der angeblichen Kenntnisnahme des Rettungspakets aufgebaut zu haben.
Auch gegen die Chicagoer Handelsfirma Jump Trading hat Snyder im Dezember 2024 Klage eingereicht. Ihm zufolge habe das Unternehmen durch Marktmanipulation und betrügerische Praktiken zum Terra-Crash beigetragen. Jump Trading bezeichnete die Klage als „offensichtlichen Versuch“, eine Strafe der US-Börsenaufsicht SEC in Höhe von 4,4 Milliarden US-Dollar abzuwenden.
Der Antrag von Jane Street auf Klageabweisung wurde beim United States District Court for the Southern District of New York eingereicht. Die Richter haben nun 60 Tage Zeit, über den Antrag zu entscheiden.