Ein Experiment mit KI in der Rechtsforschung
In einem Selbstversuch ließ ein Jurist KI zwei historische Prozessprotokolle des Aaron-Burr-Hochverratsprozesses (1807) analysieren. Das Ergebnis wirft grundsätzliche Fragen auf: Darf das KI-Dokument veröffentlicht werden? Und wer trägt die Autorenschaft – die KI, der Nutzer oder beide?
Die Entstehung des KI-Memos
Der Ausgangspunkt war ein Vergleich zweier über 200 Seiten umfassender PDF-Dokumente aus den Jahren 1807 und 1808. Ziel war es, die Argumentation zum Recht auf Aussageverweigerung in beiden Fassungen zu prüfen. Als Basis diente eine eigene Publikation aus dem Jahr 2021, die sich auf die Robertson-Transkription stützte.
Die KI (Claude Opus 4.6) benötigte etwa 30 Prompt-Runden und mehrere Stunden, um die Aufgabe zu bewältigen. Anfangs scheiterte der Versuch an der schieren Datenmenge – die KI lehnte ab, die gesamten PDFs direkt zu verarbeiten. Also wurde die Aufgabe schrittweise vereinfacht:
- Zuerst sollte die KI den eigenen Artikel aus 2021 analysieren und mit der Carpenter-Transkription vergleichen.
- Erst nach mehreren Iterationen gelang es, die KI zur direkten Gegenüberstellung der beiden Prozessprotokolle zu bewegen.
- Besonders problematisch waren Seitenangaben: Eine der PDFs bestand aus zwei Bänden ohne klare Seitennummerierung. Manuelle Korrekturen waren nötig, um Fehler zu beheben.
Ein entscheidender Fortschritt gelang durch den Einsatz von Screenshot-Vergleichen. Diese Methode ermöglichte präzisere Analysen und reduzierte Fehlerquellen.
Die zentralen Fragen: Veröffentlichung und Autorenschaft
Aus dem Experiment ergeben sich zwei Kernfragen:
- Soll das KI-generierte Dokument veröffentlicht werden?
- Informell online (z. B. als Blogbeitrag)?
- In einer Fachzeitschrift mit Peer-Review?
- Wie wird die Rolle des Nutzers definiert?
- Als Co-Autor?
- Als alleiniger Autor?
- Nur als „Prompt-Geber“?
Die Antworten hängen von ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Während KI-Tools wie Claude die Effizienz steigern, bleibt die Frage nach Transparenz und Verantwortung offen.
Fazit: KI als Werkzeug – aber wer trägt die Verantwortung?
Das Experiment zeigt, dass KI zwar komplexe juristische Analysen unterstützen kann, aber menschliche Kontrolle unerlässlich bleibt. Die Veröffentlichung eines KI-generierten Dokuments erfordert klare Richtlinien – insbesondere zur Autorenschaft und zur Überprüfung der Inhalte. Die Rechtswissenschaft steht hier vor neuen Herausforderungen.
„KI kann historische Dokumente effizient vergleichen, doch die Interpretation und Verantwortung bleiben beim Menschen.“