Kory Sherer ist ein Künstler aus Toledo, Ohio – und sein bevorzugtes Material ist Glas. Doch anders als viele Glasbläser arbeitet er nicht mit festen Formen, sondern mit gebogenen Glasröhren, die mit Neon- oder Argongas gefüllt und mit tausenden Volt elektrisch betrieben werden. Tagsüber restauriert er historische Neon-Schilder oder fertigt neue an. Doch in seiner Freizeit erschafft er spektakuläre Neon-Automobil-Skulpturen, die selbst im ausgeschalteten Zustand beeindrucken – und bei Stromzufuhr in einem magischen Licht erstrahlen.
Schon als Kind zeigte Sherer, heute 53, künstlerisches Talent. Mit acht Jahren malte er Schilder in seinem Garten. Doch seinen wahren Berufsweg fand er erst in seinen späten Teenagerjahren, als sein Stiefvater ihn mit einem Freund bekannt machte: Sam Paris, ein Neon-Künstler aus Detroit. Sherer erinnert sich:
„Ich habe in Detroit an der Kreuzung I-75 und McNichols in einem Lagerhaus das Biegen von Neon gelernt – mitten in den 1990ern, in einer rauen Gegend. Ich dachte nie daran, später einmal mit Neon zu arbeiten. Mit 19 sagte mir mein Stiefvater, wenn ich Neon lerne, hätte ich immer Geld für eine Pizza. Also nahm ich zwei Kästen Budweiser, meine Videokamera und fuhr zu Sam. Ich blieb vier Jahre lang – schlief sogar auf seinem Billardtisch in der Werkstatt. Wir wurden Freunde, und ich habe das Video nie angesehen.“
Paris wurde zu seinem Mentor. In Toledo verweigerten ihm lokale Glasbläser ihr Wissen, aus Angst vor Konkurrenz. Doch in Michigan fand er den Zugang zur Kunstform. Nach seiner Lehre eröffnete Sherer 1996 sein eigenes Unternehmen, Bent Custom Neon, in Toledo.
Der Durchbruch kam 2020: Ein Video, in dem er zeigte, wie man eine Glasblase formt, ging viral. Innerhalb weniger Tage verzeichnete es über eine Million Aufrufe. Seitdem hat Sherer auf Facebook, Instagram und YouTube Hunderttausende Follower gewonnen. Seine Werke – darunter ein neonbeleuchteter Jeep und ein 1967er Shelby Mustang – begeistern nicht nur Kunstliebhaber, sondern auch die Automobil-Szene.
Auf der Detroit Autorama, einer der renommiertesten Custom-Car-Shows der USA, sorgten Sherers Neon-Kunstwerke für Aufsehen. Kenny Douglass, Vorsitzender der Michigan Hot Rod Association, lud ihn nach einem Video ein:
„Als ich das sah, war ich wie verzaubert! Ich habe das Video vier- oder fünfmal angeschaut. Es ist einfach unglaublich.“
Sherers Kreationen verbinden Handwerkskunst mit moderner Ästhetik. Ob restaurierte Klassiker oder futuristische Skulpturen – seine Neon-Arbeiten sind nicht nur Lichtkunst, sondern auch Hommagen an die Automobilgeschichte. Und sie beweisen: Manchmal braucht es nur einen Funken, um eine Leidenschaft zu entfachen.