Die Literaturszene ist empört: Der renommierte Kinderbuchautor Mac Barnett, der gleichzeitig als nationaler Botschafter für Jugendliteratur der USA fungiert, hat mit einer abwertenden Aussage über die Qualität der meisten Kinderbücher für massive Kritik gesorgt. In seinem kürzlich erschienenen Essayband Make Believe: On Telling Stories to Children schrieb er: „Ich ergänze nun das Sturgeon’sche Gesetz: Vielleicht sind 94,7 Prozent aller Kinderbücher Schrott.“
Die Aussage spielt auf das berühmte Sturgeon’sche Gesetz des Science-Fiction-Autors Theodore Sturgeon an, der 1957 argumentierte, dass „90 Prozent von allem Schrott sind“. Sturgeon betonte, dass schlechte Qualität in jeder Literaturgattung vorkommt – keine sei per se minderwertig. Barnett, der bereits über 60 Kinderbücher veröffentlicht hat, ist der neunte nationale Botschafter für Jugendliteratur und wurde von der Non-Profit-Organisation Every Child a Reader sowie der Library of Congress (LOC) ernannt. Seine Aufgabe besteht laut LOC darin, „das nationale Bewusstsein für die Bedeutung von Jugendliteratur in Bezug auf lebenslange Lesefähigkeit, Bildung und die Verbesserung des Lebens junger Menschen zu stärken“.
Die Kinderbuch-Community reagiert mit Empörung
Die literarische Gemeinschaft reagierte mit scharfer Kritik auf Barnetts Aussage. Auf Social Media teilten Autoren ihre Verärgerung und warnten, dass seine Worte von Zensur-Befürwortern instrumentalisiert werden könnten. Ein Kinderbuchautor schrieb:
„Er hat eine Position, in der er uns schützen und stärken könnte – stattdessen trifft er Aussagen, die uns verletzen und Zensur-Befürwortern in die Hände spielen. Deshalb sind wir wütend. Nicht, weil seine Kritik an zu belehrenden Büchern unberechtigt ist, sondern weil seine Worte der Kinderliteratur schaden.“
Ein offener Brief fordert Konsequenzen
Ein an Every Child a Reader und die Library of Congress gerichteter Brief, der bereits über 300 Unterschriften sammelte, fordert die Organisationen auf, öffentlich Stellung zu beziehen und den entstandenen Schaden zu begrenzen. Barnett reagierte während einer Lesung in seinem neuen Buch Make Believe, moderiert von Jeff Kinney (Autor der Reihe Tagebuch eines Wimpy Kid), auf die Vorwürfe. In einem auf Threads geteilten Ausschnitt entschuldigte er sich:
„Als ich diesen Satz mit meinem Namen sah, dachte ich: Oh nein. Denn er widerspricht dem Kern meiner Botschaft – der Idee, die besten Bücher für Kinder zu schaffen.“Er räumte ein, den Satz rückblickend anders formuliert zu haben.
„Wenn jemand das Gefühl hatte, ich hätte ihn enttäuscht, tut mir das leid. Es liegt an mir – ich habe es getan.“