Metformin imitiert einen zentralen Effekt von Sport
Das Diabetes-Medikament Metformin könnte bei Patienten mit Prostatakrebs ähnliche gesundheitliche Vorteile wie körperliche Aktivität bieten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Wirkstoff den Spiegel eines speziellen Moleküls erhöht, das normalerweise durch Sport freigesetzt wird und mit Appetit- sowie Gewichtsregulation in Verbindung steht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.
„Sport-Molekül“ Lac-Phe wird durch Metformin stimuliert
Forscher identifizierten bereits früher das Molekül N-Lactoyl-Phenylalanin (Lac-Phe), das während körperlicher Belastung produziert wird und bei Gewichtsverlust sowie reduzierter Nahrungsaufnahme eine Rolle spielt. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass Metformin diesen Prozess nachahmt: Bei Prostatakrebs-Patienten, die das Medikament einnahmen, waren die Lac-Phe-Spiegel genauso hoch wie bei Hochleistungssportlern wie Ultramarathonläufern.
„Veränderter Stoffwechsel ist eines der Hauptmerkmale von Krebs. Was passiert also, wenn Krebspatienten Metformin erhalten?“
Marijo Bilusic, MD, PhD, Studienleiter und Genitourinary-Onkologe
Die Studie analysierte Blutproben von Männern mit Prostatakrebs, darunter 12 übergewichtige oder fettleibige Patienten ohne Diabetes. Diese erhielten entweder Standardtherapie oder Metformin (2x täglich 1.000 mg) zusätzlich zu einer Hormontherapie. Die Lac-Phe-Spiegel wurden mit denen von 25 weiteren Prostatakrebs-Patienten verglichen, darunter sieben, die Metformin einnahmen.
Metformin hilft bei Gewichts- und Stoffwechselmanagement
Obwohl Metformin nicht direkt das Tumorwachstum oder PSA-Werte beeinflusste, zeigte es positive Effekte auf das Gewicht und den Stoffwechsel – besonders bei Patienten, die aufgrund der Therapie (z. B. Anti-Androgen-Therapie) an Gewicht zunahmen. Dies könnte für Betroffene relevant sein, die aufgrund ihrer Erkrankung oder Therapie nicht ausreichend körperlich aktiv sein können.
Experten fordern weitere Studien
S. Adam Ramin, MD, Urologe und nicht an der Studie beteiligt, bezeichnete die Ergebnisse als „interessante Vorstudie“, betonte jedoch, dass größere Untersuchungen notwendig seien, um die Effekte zu bestätigen. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Metformin die Krebstherapie direkt verbessert.
Fazit: Metformin als mögliche Ergänzung – aber kein Ersatz für Sport
Die Studie legt nahe, dass Metformin zumindest teilweise die positiven Effekte von Sport auf den Stoffwechsel nachahmen kann. Dennoch bleibt körperliche Aktivität die beste Präventions- und Behandlungsstrategie bei Prostatakrebs. Metformin könnte jedoch eine Option für Patienten sein, die aus gesundheitlichen Gründen nicht trainieren können.
Die Forscher planen weitere Studien, um zu klären, ob Metformin langfristig das Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen kann.