Mikroplastik ist allgegenwärtig: in den Ozeanen, im Boden und sogar in unserem Körper. Nun zeigt eine neue Studie, dass die winzigen Kunststoffpartikel auch das Klima beeinflussen – und zwar auf eine bisher unterschätzte Weise.
In der im Fachjournal Nature Climate Change veröffentlichten Untersuchung fanden Forscher heraus, dass Mikroplastik in der Atmosphäre mehr Sonnenlicht absorbiert als es reflektiert. Dadurch wirkt es wie ein zusätzlicher Treibhausfaktor und trägt zur globalen Erwärmung bei. Zwar ist der Effekt nicht so stark wie bei klassischen Treibhausgasen, doch die Wissenschaftler betonen seine Bedeutung.
Farbe und Größe entscheiden über die Klimawirkung
Die Studie unter der Leitung von Forschern der Fudan-Universität in China konzentrierte sich auf einen bisher wenig beachteten Aspekt: die Farbe der Mikroplastikpartikel. Denn die Farbe bestimmt, wie viel Licht und damit Wärme ein Material aufnimmt oder reflektiert. Dunkle Partikel wie schwarze, gelbe, blaue oder rote absorbieren besonders viel Sonnenlicht und heizen die Atmosphäre zusätzlich auf.
Laut den Berechnungen der Wissenschaftler könnte die jährliche Erwärmung durch Mikroplastik bis zu einem Sechstel der Wirkung von Rußpartikeln (schwarzem Kohlenstoff) entsprechen. Zum Vergleich: Dieser Effekt wäre ähnlich groß wie der von 200 Kohlekraftwerken, die ein ganzes Jahr lang betrieben werden. Die langfristigen Folgen sind dabei noch nicht vollständig absehbar, da sich die Partikel über Jahrzehnte in der Umwelt halten und weiter zersetzen.
Forschungslücken und weitere Studien
„Wir wissen noch zu wenig darüber, wie viele Mikroplastikpartikel sich tatsächlich in der Atmosphäre befinden und wie sie verteilt sind“, erklärt Studien-Co-Autor Drew Shindell von der Duke University gegenüber dem Wissenschaftsmagazin Scientific American. „Diese Studie ist nur ein erster Schritt.“
Doch nicht nur die Erwärmung ist besorgniserregend. Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Mikroplastik auch die Wolkenbildung beeinflussen könnte. Die Partikel dienen als Kondensationskerne, an denen sich Wassertröpfchen anlagern und zu Eiskristallen gefrieren. Dies könnte Auswirkungen auf das Wettergeschehen haben – ein weiterer Faktor, der das komplexe Klimasystem zusätzlich belastet.
Handlungsdruck steigt
Die neuen Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit, den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt drastisch zu reduzieren. Bisher werden die winzigen Kunststoffteilchen in den meisten Klimamodellen nicht berücksichtigt, obwohl sie bereits jetzt messbare Auswirkungen haben. Experten fordern daher eine intensivere Erforschung der Zusammenhänge sowie politische Maßnahmen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung.
„Die Studie zeigt, dass wir die Umweltbelastung durch Mikroplastik nicht länger ignorieren dürfen“, sagt Shindell. „Es ist Zeit zu handeln – bevor die Folgen noch schwerwiegender werden.“