Seit 2023 verpflichtet das britische Online Safety Act Social-Media-Plattformen und Suchmaschinen, junge Nutzer vor schädlichen Inhalten zu schützen. Dazu gehören strenge Altersverifikationen, etwa durch Selfies oder Ausweiskopien. Doch die kreativen Kinder finden immer neue Wege, diese Hürden zu umgehen.
Eine aktuelle Studie der Organisation Internet Matters zeigt: Rund ein Drittel der britischen Kinder umgeht die Sicherheitsvorkehrungen. Die Befragung von 1.000 Kindern und Eltern ergab, dass 46 % der Befragten die Altersprüfungen für leicht überwindbar halten. Einige nutzen künstliche Intelligenz, um ihr Gesicht älter wirken zu lassen, andere setzen auf Avatare aus Videospielen. Doch oft reicht schon ein gezeichneter Schnurrbart – wie im Fall eines 12-jährigen Jungen, dessen Mutter berichtete: „Ich habe meinen Sohn dabei erwischt, wie er sich mit einem Augenbrauenstift einen Schnurrbart gemalt hat. Das System hat ihn als 15-Jährigen eingestuft.“
Nicht alle Kinder gehen allein vor: 17 % der Eltern helfen ihren Kindern aktiv, die Altersbeschränkungen zu umgehen. Ein Elternteil erklärte: „Ich habe meinem Sohn geholfen, weil ich das Spiel kannte und sicher war, dass es für ihn geeignet ist.“
Wenn die Technik versagt – selbst ohne Täuschungsabsicht
Doch die Systeme sind nicht nur manipulierbar – sie scheitern auch ohne böse Absicht. Ein 12-jähriger Nutzer berichtete: „Auf Roblox sollte ich nur mit Gleichaltrigen chatten. Das System hat mich aber als 15-Jährigen eingestuft. So chatte ich mit älteren Nutzern, obwohl ich das eigentlich nicht sollte.“
Die Lücken in den Altersprüfungen haben reale Konsequenzen: Fast die Hälfte der befragten Kinder gab an, bereits schädliche Inhalte gesehen zu haben. Elf Prozent berichteten von unrealistischen Schönheitsidealen, zehn Prozent von Hasskommentaren wie Homophobie oder Beleidigungen. Zwölf Prozent sahen Gewaltvideos, darunter auch Inhalte zur Ermordung von Charlie Kirk.
Lacher statt Schutz: Die Reaktionen im Netz
Die kreativen Tricks der Kinder sorgen online für Heiterkeit – und Kritik an den Tech-Konzernen. Ein Nutzer schrieb auf X: „All die teuren Altersverifikationssysteme, die Millionen verschlingen … und dann reicht ein gemalter Schnurrbart? Clever, die kleinen Genies.“
Die Studie unterstreicht, dass die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichen, um junge Nutzer wirksam zu schützen. Experten fordern strengere Kontrollen und transparentere Systeme, um die Sicherheit von Kindern im Netz zu gewährleisten.