ST. CLOUD, Minn. — Als Cori Roberts vor vier Jahren mit Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium diagnostiziert wurde, lebte sie in einem gemieteten Keller. Geschieden und Mitte 40 hatte sie nach Jahren als Hausfrau wieder einen Job in der Personalabteilung angenommen – für 41.000 Dollar Jahresgehalt. Trotz Versicherungsschutz musste sie über 8.000 Dollar an Arztrechnungen selbst zahlen. „Ich besaß nur mein Auto und eine Kiste Kleidung“, erinnert sich Roberts. „Medizinische Kosten konnte ich mir nicht leisten.“

Roberts beantragte finanzielle Unterstützung bei CentraCare, dem größten Krankenhaussystem in St. Cloud. Als Nonprofit-Organisation erhält es Steuervergünstigungen in Millionenhöhe – im Gegenzug müsste es Patienten mit unbezahlbaren Rechnungen helfen. Doch CentraCare lehnte Roberts’ Antrag ab, weil ihr Einkommen angeblich zu hoch sei. Stattdessen kürzte sie bei Lebensmitteln und Weihnachtsgeschenken für ihre Kinder und tilgte über zwei Jahre hinweg mehr als 6.000 Dollar. Doch CentraCare verklagte sie 2023, weil die Schulden nicht vollständig beglichen waren.

„Sie sind ein Nonprofit – und handeln wie ein gewinnorientiertes Unternehmen“, kritisiert Roberts. „Wo bleibt die Fürsorgepflicht?“

Minnesotas Krankenhäuser gehören zu den am wenigsten karitativen des Landes

Eine gemeinsame Untersuchung von Star Tribune und KFF Health News zeigt: Minnesota gehört zu den US-Bundesstaaten mit der geringsten finanziellen Unterstützung für unversicherte Patienten. Während Krankenhäuser in den USA im Schnitt 2,4 % ihres Budgets für Sozialleistungen aufwenden, liegt Minnesota bei nur 0,8 % – ein Drittel des nationalen Durchschnitts. Einige Krankenhäuser geben sogar weniger als 0,5 % aus.

Von den 123 Allgemeinkrankenhäusern in Minnesota widmeten 62 in den Jahren 2020 bis 2024 weniger als 0,5 % ihrer Betriebskosten für Sozialleistungen auf. Das Flaggschiffkrankenhaus von CentraCare in St. Cloud gab sogar weniger als 0,25 % aus – das entspricht gerade einmal 25 Dollar Hilfsleistung pro 10.000 Dollar Umsatz.

Systemversagen trifft die Schwächsten

„Das System funktioniert nicht – und die Last tragen diejenigen, die sie am wenigsten tragen können“, sagt Erin Hartung, Direktorin für Rechtsberatung bei Cancer Legal Care, einer Organisation, die Patienten bei medizinischen Schulden unterstützt. „Viele Betroffene verzichten auf notwendige Behandlungen, weil sie die Kosten fürchten.“

Die Situation wird sich verschärfen: Die Zahl der Unversicherten in Minnesota stieg 2023 auf den höchsten Stand seit 2017. Experten erwarten einen weiteren Anstieg, da Kürzungen im Gesundheitswesen unter Präsident Donald Trump die Medicaid-Programme und andere Sozialleistungen weiter einschränken könnten. Gleichzeitig steigen die Zuzahlungen und Selbstbehalte in Versicherungen – eine zusätzliche Belastung für Haushalte mit geringem Einkommen.

Nonprofit-Krankenhäuser nutzen Schlupflöcher aus

Die Untersuchung zeigt, dass viele Krankenhäuser in Minnesota zwar Steuerbefreiungen erhalten, aber ihre Verpflichtung zur Sozialfürsorge nur minimal erfüllen. Einige argumentieren, dass sie durch staatliche Programme wie Medicaid bereits ausreichend Unterstützung leisten. Doch Kritiker wie Hartung halten dagegen: „Diese Programme decken nicht alle Kosten ab – und viele Patienten fallen durchs Raster.“

Roberts’ Fall ist kein Einzelfall. Laut der Analyse erhielten Dutzende Patienten in Minnesota ähnliche Absagen auf ihre Hilfsanträge – trotz nachweislicher finanzieller Not. „Ich habe alles versucht, um meine Schulden zu begleichen“, sagt Roberts. „Doch statt Hilfe bekam ich eine Klage.“

Forderungen nach Reformen werden lauter

Gesundheitsaktivisten und Politiker fordern strengere Regeln für Nonprofit-Krankenhäuser. Einige Bundesstaaten wie Kalifornien und New York verlangen bereits höhere Sozialleistungsquoten. In Minnesota gibt es bisher keine verbindlichen Vorgaben – die Krankenhäuser entscheiden selbst, wie viel sie für Bedürftige aufwenden.

„Es braucht Transparenz und verbindliche Standards“, sagt Hartung. „Patienten dürfen nicht länger die Zeche für ein marodes System zahlen.“

Bis dahin bleibt Betroffenen wie Roberts nur die Hoffnung auf politische Veränderungen – oder die Bereitschaft, sich weiter durchzubeißen.