Ein Manifest mit dystopischer Vision

Der US-amerikanische Militär- und Geheimdienstauftragnehmer Palantir, geleitet von CEO Alex Karp, steht seit Jahren in der Kritik, eine Überwachungsinfrastruktur zu schaffen, die an einen Orwell’schen Überwachungsstaat erinnert. Das Unternehmen erhielt Milliarden aus Bundesmitteln für Projekte wie die Überwachungsplattform für die US-Einwanderungsbehörde ICE sowie Verträge mit Militär, Polizei und Grenzschutzbehörden – nicht nur in den USA, sondern auch mit der israelischen Armee und der britischen Regierung.

Um seine Mission der 'nationalen Sicherheit durch Spionagetechnologie' zu unterstreichen, veröffentlichte Karp vor 14 Monaten ein 320-seitiges Buch mit dem Titel „The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West“. Ein kürzlich von Palantir geteilter 22-Punkte-Auszug aus dem Werk offenbart nun die radikale Ideologie des Konzerns und sorgt weltweit für Empörung.

Kritiker sprechen von „Technofaschismus“

Internationale Intellektuelle wie der belgische Technologiephilosoph Mark Coeckelbergh bezeichnen das Manifest als „Beispiel für Technofaschismus“. Der griechische Ökonom Yanis Varoufakis warnt vor einer Zukunft, in der „KI-gesteuerte Killerroboter“ die Norm werden. Die Tech-Website Engadget kommentiert sarkastisch, der Text wirke „wie das wirre Geschreibsel eines Comic-Schurken“.

Kontroverse Forderungen des Manifests

Die im Auszug enthaltenen Punkte zeigen eine klare Abkehr von demokratischen Werten und humanistischen Prinzipien:

  • Pflicht zum Militärdienst: Karp fordert einen „universellen Wehrdienst“ und die Rücknahme der „Entmilitarisierung Deutschlands und Japans nach dem Zweiten Weltkrieg“.
  • Macht statt Moral: Er plädiert für „harte Macht“ anstelle von „moralischer Überzeugung“ und lehnt politische Institutionen als „Seelenfutter“ für die Bürger ab.
  • Abschaffung von Inklusivität: Der Westen solle sich von „leerem Pluralismus“ und „woken“ Idealen verabschieden – eine klare Anspielung auf progressive Gesellschaftsentwürfe.
  • KI und Krieg: Karp argumentiert, dass die Zukunft durch Software und KI-gesteuerte Kriegsführung entschieden werde. „Gewaltkriminalität“ solle von Silicon Valley gelöst werden – obwohl die Kriminalitätsrate seit Jahrzehnten sinkt.

„Palantir ist das erste Unternehmen, das komplett anti-woke ist.“
— Alex Karp, CEO von Palantir, November 2023

Umstrittene Geschäfte und Skandale

Palantirs Aktivitäten sind seit Jahren von Kontroversen geprägt: Das Unternehmen unterstützt Abschiebungen durch ICE, entwickelt Software für autonome Drohnen, die in Konflikten wie im Iran zur Zielauswahl eingesetzt werden, und steht im Verdacht, Diskriminierung und Desinformation zu fördern. Ehemalige Mitarbeiter warnten in einem offenen Brief 2023 vor einem „Verlust der ursprünglichen Werte“ des Konzerns. Die ursprüngliche Mission, gegen Diskriminierung und Falschinformationen vorzugehen, sei „systematisch untergraben“ worden.

Selbst Insider fällt es schwer, die Tätigkeiten Palantirs zu definieren. Wie Wired 2022 berichtete, konnten ehemalige Angestellte die Arbeitsweise des von Peter Thiel mitgegründeten Unternehmens nicht klar erklären. Aktuelle Proteste gegen den Konzern gipfelten kürzlich in einer symbolischen „Sterbeaktion“, bei der Aktivisten zu Boden sanken, um gegen Palantirs Rolle in der modernen Kriegsführung zu demonstrieren.

Fazit: Eine gefährliche Vision für die Zukunft

Alex Karps Manifest offenbart eine dystopische Vision, in der Technologie, Militär und autoritäre Strukturen die Demokratie ersetzen. Angesichts der bereits bestehenden Kontroversen um Palantirs Geschäfte wirft das Dokument mehr Fragen auf als Antworten – und nährt die Befürchtung, dass der Konzern seine Macht ungebremst ausbauen könnte.

Quelle: Futurism