Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat in der vergangenen Woche eine Warnung verbreitet: Immer mehr Menschen würden SNAP-Leistungen (Food Stamps) betrügerisch beziehen und dabei Luxusautos fahren. „In nur EINEM Bundesstaat sollen 14.000 SNAP-Empfänger Luxusfahrzeuge besitzen!“, schrieb Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins auf X. Die USDA bestätigte in einer E-Mail an Mother Jones, dass die Zahlen von der konservativen Denkfabrik Foundation for Government Accountability (FGA) stammen – doch Details zur Methodik fehlen.

Die FGA, eine in Florida ansässige Organisation, setzt sich seit ihrer Gründung 2011 für die Kürzung sozialer Sicherungssysteme wie SNAP, Medicaid und Sozialversicherung ein. Die Behauptungen der FGA sind jedoch kaum belastbar: Der Bericht nennt weder den betroffenen Bundesstaat noch erklärt er, wie die Daten erhoben wurden. Laut USDA liegt die Betrugsrate bei SNAP – etwa der illegalen Weitergabe von Leistungen – bei nur noch 1,5 Prozent. Die meisten Überzahlungen entstehen zudem durch administrative Fehler, nicht durch vorsätzlichen Betrug.

Die Rhetorik der FGA erinnert an das umstrittene „Welfare Queen“-Klischee aus der Reagan-Ära, das vor allem Schwarze Frauen stigmatisiert. Dabei erhalten weiße Haushalte aktuell den größten Anteil der SNAP-Leistungen. Die Denkfabrik fordert drastische Kürzungen bei SNAP, um „die wirklich Bedürftigen“ besser zu unterstützen.

Im Juli 2025 erzielte die FGA einen Erfolg: Im Rahmen von Präsident Trumps „One Big Beautiful Bill“ wurden die Arbeitsanforderungen für SNAP-Empfänger ausgeweitet. Seit Februar 2025 müssen nun alle Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren ohne unter 14-jährige Kinder mindestens 20 Stunden pro Woche arbeiten. Bisher galt diese Regel nur für 18- bis 54-Jährige ohne unter 18-jährige Kinder. Einige bisher befreite Gruppen – etwa Veteranen oder Obdachlose – verlieren nun ihre Leistungen, wenn sie keine Arbeit finden. Studien zeigen jedoch, dass solche Regelungen das Problem der Unterbeschäftigung nicht lösen, sondern verschärfen.

SNAP unterstützt monatlich über 38 Millionen Amerikaner – darunter zwei Drittel Kinder, ältere oder behinderte Menschen. Um die Leistungen zu erhalten, müssen Haushalte bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Die aktuellen Debatten um Betrug und Missbrauch lenken jedoch von strukturellen Problemen wie Armut und fehlenden Arbeitsplätzen ab.