Die Frage nach der besten Szene in "Der Teufel trägt Prada" führt viele zu einem Wort: "Cerulean". Miranda Priestlys Monolog an ihre unsichere Assistentin Andy fasst die zynische Weltsicht des Films zusammen – die Modebranche als Machtinstrument, das das Leben der Menschen bestimmt. Doch nur wenige Minuten später folgt eine noch tiefgründigere Szene, die Stanley Tuccis Darstellung als Nigel in den Fokus rückt.
Nigels Rede: Menschlichkeit statt Hierarchie
Andy, gespielt von Anne Hathaway, ist als Protagonistin und Identifikationsfigur eingeführt: eine Überforderte, die ihre Unwissenheit über Mode als lässige Attitüde tarnt. Nigel, der als rechte Hand Mirandas agiert, verkörpert zunächst die kalte Logik der Branche. Er verspottet Andys Figur, kommentiert ihr Gewicht und ignoriert ihre Leistungen. Doch dann folgt eine Rede, die alles verändert. Statt Mirandas harte Hierarchie zu bestätigen, zeigt Nigel eine menschlichere Perspektive auf.
"Sie macht nur ihren Job", erklärt er und entpersonalisiert damit Mirandas Verhalten. Stattdessen lenkt er den Blick auf das Magazin Runway als Institution: "Weißt du nicht, dass du an einem Ort arbeitest, der einige der größten Künstler des Jahrhunderts hervorgebracht hat? Halston, Lagerfeld, de la Renta. Was sie geschaffen haben, war größer als Kunst – denn du lebst darin."
Doch Nigel geht noch weiter. Während Mirandas Rede die "kleinen Leute" als willenlose Marionetten darstellt, deren Entscheidungen von oben gesteuert werden, richtet er seinen Fokus auf den Einzelnen. Seine Worte geben Hoffnung – selbst denen, die keine Ikonen sind:
"Du denkst, das ist nur ein Magazin, oder? Nein. Das ist ein Leuchtfeuer der Hoffnung für einen Jungen in Rhode Island mit sechs Brüdern, der vorgibt, zum Fußballtraining zu gehen, in Wahrheit aber Nähkurse besucht. Der nachts unter der Decke mit einer Taschenlampe Runway liest."
Tuccis Rolle: Der Gegenentwurf zu Streep
Während Meryl Streep als Miranda die unnahbare Macht verkörpert, zeigt Tucci eine andere Facette des Systems: die des Mentors, der trotz aller Härte auch Empathie zulässt. Seine Szene ist kein bloßer Kontrast, sondern eine Ergänzung – eine Erinnerung daran, dass hinter den Produkten und Hierarchien Menschen stehen. Andy mag am Ende scheitern, doch Nigels Worte geben ihr (und dem Publikum) eine neue Perspektive auf die Modebranche: Sie ist nicht nur ein Spiel der Mächtigen, sondern auch ein Ort der Inspiration für Außenseiter.
Warum diese Szene zeitlos bleibt
- Menschlichkeit im System: Nigels Rede zeigt, dass selbst in einer kalten Branche Raum für Hoffnung und Verbindung bleibt.
- Kritik mit Tiefgang: Der Film hinterfragt Machtstrukturen, ohne sie zu verdammen – er zeigt ihre Widersprüche.
- Tuccis Meisterleistung: Seine Darstellung macht die Szene zu einem der bewegendsten Momente des Films.