Ein Autohaus in Connecticut steht im Zentrum eines Rechtsstreits mit Toyota: 16 Fahrzeuge im Wert von über 1,4 Millionen Dollar wurden nicht ordnungsgemäß verbucht. Die Toyota Motor Credit Corporation verklagt die Stephen Cadillac GMC in Bristol und wirft dem Händler vor, Kredite nicht zurückgezahlt zu haben. Die Klage beläuft sich auf insgesamt über 5,1 Millionen Dollar.
Finanzierungssystem im Visier: Floorplan-Kredite und „Out-of-Trust“-Vorfälle
Autohäuser finanzieren ihre Fahrzeuge häufig über Floorplan-Kredite – eine Art Kontokorrentkredit, bei dem die Bank die Fahrzeuge vorfinanziert. Solange die Autos nicht verkauft sind, bleibt die Bank Eigentümerin und hat ein Pfandrecht. Verkauft der Händler ein Fahrzeug, muss er den Kredit umgehend zurückzahlen.
Genau hier sieht Toyota das Problem: Das Autohaus soll Fahrzeuge verkauft oder transferiert haben, ohne die Kredite zu begleichen. Solche Fälle werden als „Out-of-Trust“-Verkäufe bezeichnet. Laut Klage wurden die Fahrzeuge „verkauft, geleast, transferiert, in Kommission gegeben oder anderweitig veräußert“, ohne die Schulden zu begleichen.
Zusätzliche Fahrzeuge verschwunden – Schaden wächst auf über 5 Millionen
Besonders brisant: Toyota behauptet, dass in den Tagen nach der Prüfung vom 27. März weitere Fahrzeuge aus dem Bestand entfernt wurden. Insgesamt geht das Unternehmen von einem Schaden in Höhe von 5,1 Millionen Dollar aus – davon über 3 Millionen allein für Floorplan- und Kapitalkredite.
Der Fall wirft ein schlechtes Licht auf die Branche, die bereits unter verstärkter Beobachtung der US-Handelskommission (FTC) steht. Die FTC prüft seit Jahren fragwürdige Praktiken in der Autohandel-Branche, darunter aggressive Finanzierungsmethoden und unklare Vertragsbedingungen.
Rechtliche Schritte und persönliche Haftung
Die Klage wurde am 4. April beim US-Bezirksgericht für Connecticut eingereicht. Toyota fordert Schadensersatz, die Rückgabe der Fahrzeuge sowie eine Anordnung, weitere Vermögenswerte nicht zu veräußern. Die Kredite sollen persönlich von Stephen Barbarino Jr., dem Präsidenten des Autohauses, garantiert worden sein.
Ein Anwalt des Händlers bestätigte, dass man mit Toyota an einer Lösung arbeite. Beide Standorte – Stephen Cadillac GMC und Stephen Toyota – seien weiterhin geöffnet, doch Mitarbeiter wollten sich nicht öffentlich äußern.
Hintergrund: Enge Bindung zwischen Herstellern und Händlern
Die Beziehung zwischen Automobilherstellern und ihren Vertragshändlern ist komplexer, als viele vermuten. Sie reicht weit über Markenauftritt und Verkaufsflächen hinaus. Finanzierung, Lagerverwaltung und gemeinsame Interessen prägen diese Partnerschaft. Funktioniert das System, läuft es reibungslos. Doch wenn es scheitert, entstehen wie in diesem Fall massive finanzielle und rechtliche Konsequenzen.