Washington – US-Präsident Donald Trump setzt seine Kampagne fort, um den israelischen Präsidenten Isaac Herzog zur Begnadigung von Premierminister Benjamin Netanjahu zu bewegen. In einem Interview mit Axios betonte Trump, Herzog könnte sich durch eine solche Entscheidung als „nationaler Held“ etablieren.

Trump äußerte sich kritisch über den laufenden Korruptionsprozess gegen Netanjahu, den dieser während des Krieges gegen den Iran führen müsse. „Inmitten eines Krieges? Das ist doch lächerlich“, sagte Trump. Der Prozess gegen Netanjahu belaste das Image Israels unnötig, so Trump weiter.

Hintergründe der Forderung:

  • Trump hatte das Thema Begnadigung erstmals während eines Telefonats mit Axios angesprochen.
  • Zuvor hatte er Herzog monatelang scharf kritisiert, doch nun änderte er seinen Ton: „Ich mag den Typen, Herzog“, erklärte Trump. „Er würde zum Nationalhelden werden, wenn er Bibi begnadigt. Das würde ich sehr schätzen.“

Trump argumentiert, Netanjahu sei als „Kriegs-Premierminister“ unabkömmlich und der anhaltende Prozess wirke wie eine „Hexenjagd“ – eine Anspielung auf seine eigenen juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Die Vorwürfe gegen Netanjahu, darunter der Empfang von Geschenken im Austausch für politische Gefälligkeiten, bezeichnete Trump abwertend als „Wein und Zigarren“. Netanjahu bestreitet alle Anschuldigungen.

Politische Dimension:

Eine Begnadigung durch Herzog könnte zwar einen Teil der israelischen Wählerschaft überzeugen, würde aber gleichzeitig viele andere verärgern. Die nächsten Parlamentswahlen in Israel sind für Oktober angesetzt. Sollte Netanjahu die Wahl verlieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er eine Haftstrafe antreten muss.

In dieser Woche hatte Herzog Vertreter der Anklage, den Generalstaatsanwalt und den Staatsanwalt zu Gesprächen eingeladen, um mögliche Vergleichsverhandlungen im Fall Netanjahu zu erörtern. Herzog betonte, eine Entscheidung über eine Begnadigung werde er erst nach Abschluss dieser Verhandlungen treffen. Trump hingegen ist überzeugt, dass Netanjahu einen Vergleich „nicht verkraften“ könne und eine vollständige Begnadigung benötige.

Herausforderungen für eine Lösung:

Netanjahu hat bisher jede Schuldanerkennung und Reue verweigert – zwei zentrale Voraussetzungen für eine Begnadigung nach israelischem Recht. Zudem erscheint ein Vergleich unwahrscheinlich, da dies vermutlich ein Schuldeingeständnis mit der Folge eines temporären Amtsverbots erfordern würde. Netanjahu wird jedoch kaum bereit sein, auf eine politische Karriere zu verzichten. Die Staatsanwaltschaft wiederum zeigt sich bisher wenig kompromissbereit.

Trumps wechselhafte Haltung zu Herzog:

Noch im März hatte Trump Herzog in einem Interview mit Axios als „Schande“ bezeichnet, weil dieser Netanjahu nicht begnadigt hatte. In einem anderen Interview nannte er Herzog „schwach und lächerlich“. Unklar bleibt, was zu diesem Stimmungswandel führte. Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter spekulierte, Trump könnte erkannt haben, dass seine Angriffe bei Herzog nicht fruchteten – oder Netanjahu selbst habe auf eine Veränderung des Tons gedrängt.

Quelle: Axios