US-Präsident Donald Trump hat erneut behauptet, dass die Einbindung des Kongresses in Kriegsentscheidungen verfassungswidrig sei. In einer Pressekonferenz vor dem Weißen Haus erklärte er, die War Powers Resolution von 1973 sei „völlig unkonstitutionell“ und er müsse sich nicht an deren Vorgaben halten. Diese Regelung verpflichtet den Präsidenten, nach 60 Tagen ohne Kriegsbeschluss des Kongresses oder dessen Zustimmung zur Fortführung der Militäroperation die Truppen abzuziehen.
Trump argumentierte: „Kein anderes Land hat so etwas jemals getan. Es ist, wie Sie wissen, völlig unkonstitutionell. Außerdem haben wir einen Waffenstillstand, der uns zusätzliche Zeit gibt.“ Seine Aussagen sind jedoch falsch – sowohl historisch als auch verfassungsrechtlich.
Die War Powers Resolution ist die einzige rechtliche Grundlage, die Trumps umstrittene Militärkampagne im Iran überhaupt als verfassungsgemäß erscheinen lässt. Laut Artikel I, Abschnitt 8, Klausel 11 der US-Verfassung liegt die alleinige Kompetenz zur Kriegserklärung beim Kongress. Die 60-Tage-Frist der Resolution ist eine Ausnahme von dieser Regel. Ohne sie wäre Trumps Krieg im Iran eindeutig illegal – sowohl verfassungsrechtlich als auch nach internationalem Recht.
Trumps fragwürdige Taktik: Waffenstillstand als Zeitgewinn
Parallel versucht Trump, die 60-Tage-Frist zu umgehen, indem er behauptet, die Uhr sei mit der Ankündigung eines Waffenstillstands Mitte April stehengeblieben. Doch diese Argumentation ist rechtlich nicht haltbar. Die USA testen bereits die Grenzen des brüchigen Waffenstillstands mit dem Iran, etwa durch die Verhängung einer militärischen Blockade iranischer Häfen – ein Akt, der nach internationalem Recht als Kriegshandlung gilt. Zudem beschlagnahmte die US-Marine ein iranisches Frachtschiff.
Währenddessen setzt Israels, ein Verbündeter der USA im gemeinsamen Militäreinsatz, seine intensiven Angriffe auf den Libanon fort – ein klarer Verstoß gegen die Waffenstillstandsvereinbarung.
„Trumps Behauptungen sind nicht nur verfassungsrechtlich fragwürdig, sondern auch gefährlich. Die War Powers Resolution existiert, um willkürliche Kriegführung zu verhindern – ein Grundprinzip der amerikanischen Demokratie.“
— Verfassungsrechtler Jonathan Turley
Internationale Reaktionen: USA isolieren sich weiter
Trumps Weigerung, sich an die War Powers Resolution zu halten, stößt international auf scharfe Kritik. Experten warnen, dass seine Haltung die Glaubwürdigkeit der USA als Verfechter des Völkerrechts weiter untergräbt. Gleichzeitig verschärft sich die Spannung im Nahen Osten, wo die USA und Israel weiterhin militärische Maßnahmen ergreifen, die den Waffenstillstand gefährden.
Die Frage bleibt: Kann ein Präsident die Verfassung ignorieren, wenn sie seinen Plänen im Weg steht? Die Antwort der Verfassung ist klar: Nein.