Eine weiße Rauchwolke steigt über dem Kupferhüttenwerk von Freeport-McMoRan im Osten Arizonas auf. Eines von über 180 Industrieanlagen, die unter der Regierung von Donald Trump im März 2025 eine Befreiung von zentralen Vorschriften des Clean Air Act erhielten – dem Grundpfeiler des US-Umweltrechts, das nach Schätzungen Tausende vorzeitige Todesfälle verhindert hat.
Die Trump-Administration machte den Betreibern von Kohlekraftwerken, Chemiefabriken und anderen Großemittenten ein verlockendes Angebot: Ihre Anlagen könnten von teuren Auflagen befreit werden – einfach per E-Mail. Keine aufwendigen Anträge, keine strengen Prüfungen. Bis zum Monatsende hatten die Unternehmen Zeit, ihre Anfragen zu stellen. Innerhalb von zwei Wochen füllten sich die Postfächer der Umweltbehörde EPA mit Tausenden Seiten an E-Mails.
ProPublica erhielt diese Dokumente im Rahmen von öffentlichen Akteneinsichtsanfragen und gibt damit den bisher detailliertesten Einblick in einen zentralen Bestandteil dessen, was die EPA als „die größte Deregulierungsmaßnahme der US-Geschichte“ bezeichnet.
Wer profitierte von den Befreiungen?
Die Liste der Begünstigten liest sich wie ein Who’s Who der US-Industrie:
- Scrubgrass Reclamation Company: Das Unternehmen betreibt ein Kohlekraftwerk in Pennsylvania, das unter anderem Bitcoin-Mining mit Strom versorgt. Asset-Manager Richard Shaffer argumentierte in seiner E-Mail, die Anlage sei für die „Sicherheit der USA“ entscheidend – und erhielt nach elf Tagen eine Präsidialproklamation mit der Befreiung.
- Citgo Petroleum Corporation: Der Mineralölkonzern beantragte Befreiungen für Raffinerien in Illinois, Louisiana und Texas, die zuvor gegen den Clean Air Act verstoßen hatten. Trotz früherer Feststellungen, dass die Regelungen „kritischen Gesundheitsschutz für Hunderttausende Anwohner“ bieten, wurden die Anträge genehmigt. Citgo installierte zwar neue Filteranlagen, um einige Verstöße zu beheben – doch die Befreiung blieb.
- Sterigenics: Das Unternehmen betreibt neun Anlagen zur medizinischen Sterilisation, die das krebserregende Gas Ethylenoxid ausstoßen – darunter Standorte nahe Salt Lake City, Los Angeles, Charlotte und Atlanta. Über 45.000 Menschen, mehrheitlich nicht-weiß, leben innerhalb einer Meile dieser Fabriken. Dennoch erhielt Sterigenics grünes Licht für die Befreiung.
Auf Anfragen von ProPublica reagierten weder Scrubgrass noch Citgo oder Sterigenics.
Wie die EPA die Wissenschaft ignorierte
Die Genehmigungen erfolgten ohne Rücksprache mit EPA-Wissenschaftlern. Die Regierung berief sich auf eine bisher nie genutzte Ausnahmeregelung des Clean Air Act. Insgesamt wurden über 180 Anlagen in 38 Bundesstaaten von den strengen Luftreinhaltepflichten befreit – mit weitreichenden Folgen für die Luftqualität und die Gesundheit der Anwohner.
„Die Befreiungen zeigen, wie die Trump-Administration Umweltstandards systematisch ausgehöhlt hat – zugunsten der Industrie und zulasten der öffentlichen Gesundheit.“
– ProPublica
Die Maßnahmen werfen Fragen über die langfristigen Auswirkungen auf die Luftverschmutzung in den USA auf. Kritiker warnen, dass die Lockerungen zu einem Anstieg von Atemwegserkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen könnten – besonders in benachteiligten Gemeinden, die ohnehin schon stärker von Umweltbelastungen betroffen sind.