Die Führungsetagen in den USA altern: Der durchschnittliche CEO ist heute 61 Jahre alt – vor 20 Jahren lag das Durchschnittsalter noch bei etwa 51 Jahren. Das geht aus einer aktuellen Studie des National Bureau of Economic Research (NBER) hervor, die Daten von über 50.000 US-Führungskräften analysierte.
Die Ergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild: Ältere CEOs führen zwar seltener zu radikalen Innovationen und langsamerem Unternehmenswachstum, punkten jedoch mit stabilerer Führung in unsicheren Wirtschaftsphasen. Besonders auffällig ist der Trend bei kleineren, nicht börsennotierten Unternehmen, die gezielt auf erfahrene Manager mit langjährigen Karrierewegen setzen.
Größere Konzerne bleiben etwas jünger – hier liegt das Durchschnittsalter der CEOs bei 58,5 Jahren (2023), wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 56 Jahren. Damit entspricht die Entwicklung in den Führungsetagen weitgehend der allgemeinen Alterung der US-Arbeitsbevölkerung.
Doch die Studie widerlegt die Annahme, dass es sich hier nur um einen demografischen Effekt handelt: Während das Durchschnittsalter der CEOs in den letzten zwei Jahrzehnten um zehn Jahre stieg, erhöhte sich das Alter von Hochschulabsolventen im gleichen Zeitraum lediglich um zwei Jahre.
Warum Unternehmen ältere CEOs bevorzugen
Die Analyse zeigt, dass heutige CEOs vor ihrer Ernennung deutlich mehr Berufserfahrung sammeln: Sie haben im Schnitt mehr Jobs und Unternehmen durchlaufen als ihre Vorgänger. Farzad Saidi, Ökonom an der Universität Bonn und Mitautor der Studie, erklärt gegenüber Axios, dass diese „Generalisten“ besonders gut darin seien, komplexe wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern.
Die gestiegene wirtschaftliche Unsicherheit und Komplexität mache diese Fähigkeiten immer wertvoller. Gleichzeitig warnt Saidi: Obwohl diese Generalisten seit über einem Jahrzehnt hoch geschätzt werden, würden Unternehmen heute weniger von ihnen ausgebildet – etwa durch verlangsamte Einstellungspraktiken auf Einstiegsebene. „Der Wert erfahrener Generalisten-CEOs wird weiter steigen“, so Saidi.
Blockierte Karrierewege: Ein generelles Problem
Das Phänomen beschränkt sich nicht auf die Wirtschaft. Auch in anderen Bereichen wird der Aufstieg für Jüngere schwieriger:
- Politik: Der US-Kongress ist einer der ältesten der Geschichte – Senatoren sind im Schnitt 63,8 Jahre alt, Abgeordnete 57,7 Jahre.
- Wissenschaft: Der Altersdurchschnitt für den ersten großen Forschungsförderungsantrag von Ph.D.-Wissenschaftlern stieg von 39 (1995) auf 43 Jahre (2020).
- Wohnen: Die Eigentumsquote bei jungen Erwachsenen sinkt seit Jahren – ein weiteres Zeichen für strukturelle Benachteiligung älterer Generationen.
Die Studie unterstreicht damit ein zentrales Paradox: Während viele Arbeitnehmer früh aus dem Berufsleben ausscheiden oder Karrieregrenzen erreichen, profitieren einige wenige von ihrer Erfahrung – und diese Kluft wird sich voraussichtlich weiter vertiefen.