Der Passwortmanager-Anbieter Bitwarden vollzieht derzeit personelle und inhaltliche Veränderungen. Wie aus LinkedIn-Profilen hervorgeht, hat der langjährige CEO Michael Crandell im Februar 2024 einen Wechsel in eine Beraterrolle vollzogen – ohne offizielle Bekanntmachung durch das Unternehmen. Sein Nachfolger ist Michael Sullivan, ehemaliger CEO von Acquia und Insightsoftware. Sullivan wirbt auf LinkedIn mit umfassender Erfahrung in „allen Facetten von Fusionen und Übernahmen“, darunter Zusammenarbeit mit großen Private-Equity-Firmen wie Hg, Vista Equity Partners und TA Associates.
Auch der Finanzvorstand Stephen Morrison, der 2019 zu Bitwarden stieß, verließ das Unternehmen im April. Sein Nachfolger wurde Michael Shenkman, ehemaliger CEO von InVision. Bitwardens Gründer und CTO Kyle Spearrin, der das Projekt 2015 als Hobby begann, bleibt dem Unternehmen erhalten.
Website-Änderungen: „Always free“ und Werte angepasst
Neben den personellen Veränderungen hat Bitwarden auch seine Website überarbeitet. Die Seite für den persönlichen Passwortmanager enthält seit Mitte April keinen Hinweis mehr auf den Slogan „Always free“. Zwar bleibt die kostenlose Version weiterhin verfügbar, wird aber nicht mehr explizit beworben. Zudem wurden die Unternehmenswerte angepasst: Auf der Karriereseite verschwanden die Begriffe „Inclusion“ und „Transparenz“ aus dem bisherigen Wertekanon „GRIT“ (Gratitude, Responsibility, Inclusion, Transparency). Seit Anfang Mai steht „GRIT“ nun für „Gratitude, Responsibility, Innovation, Trust“.
Während „Inclusion“ noch unter „Gratitude“ erwähnt wird und „Transparenz“ im Zusammenhang mit „Trust“ auftaucht, sind die ursprünglichen Werte nicht mehr zentral. Diese Änderungen erfolgten kurz nach einer Verdopplung des Preises für den Premium-Tarif des Passwortmanagers von 10 auf 20 US-Dollar im Februar 2024. Die Preiserhöhung wurde zunächst nur in einem Blogbeitrag über Feature-Updates erwähnt und erst 15 Tage vor Ablauf der Mitgliedschaft per E-Mail kommuniziert.
Keine offizielle Stellungnahme zu den Veränderungen
Weder die neuen Unternehmenswerte noch die personellen Wechsel wurden bisher von Bitwarden offiziell bekannt gegeben. Auf Anfragen zur Kommentierung reagierte das Unternehmen nicht. Sullivan, der neue CEO, betont zwar seine Erfahrung mit Private-Equity-Investitionen – etwa die Übernahme von Acquia durch Vista Equity Partners für eine Milliarde US-Dollar 2019 oder eine Investition von Hg in Insightsoftware 2021 –, hat sich jedoch noch nicht öffentlich zu seiner neuen Position geäußert. Eine Nachricht an den ehemaligen CEO Crandell blieb unbeantwortet.
Bitwardens Gründer Spearrin hatte in einem Interview mit Fast Company 2024 erklärt, das Projekt als Hobby begonnen zu haben, um mehr über mobile Entwicklung zu lernen. Die jüngsten Entwicklungen werfen jedoch Fragen über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens auf.