Ein Soldat der US-Spezialeinheiten wurde wegen des Verdachts verhaftet, geheime Informationen über eine geplante Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro genutzt zu haben, um auf der Plattform Polymarket hohe Gewinne durch Wetten zu erzielen. Das US-Justizministerium gab die Verhaftung am Donnerstag bekannt.

Die Vorwürfe gegen den 38-jährigen Gannon Ken Van Dyke, der als Master Sergeant in Fort Bragg (North Carolina) stationiert ist, markieren den ersten Fall, in dem die US-Börsenaufsicht CFTC Insiderhandel in Verbindung mit Event-Kontrakten auf Vorhersagemärkten verfolgt. Die Anklage wirft ihm vor, als aktiver Soldat an der Planung und Durchführung der Operation zur Festnahme Maduros beteiligt gewesen zu sein und dieses Wissen für private Wetten genutzt zu haben.

Gewinne von über 400.000 US-Dollar durch geheime Informationen

Laut Anklage erzielte Van Dyke durch seine Wetten auf mögliche Szenarien in Venezuela einen Gewinn von rund 410.000 US-Dollar. Er hatte im Dezember 2023 ein Polymarket-Konto eröffnet und dort über 13 Wetten platziert, für die er mehr als 33.000 US-Dollar investierte. Ein Großteil der Gewinne wurde anschließend in einen ausländischen Kryptowährungs-Tresor überwiesen und von dort auf ein neu eröffnetes Online-Brokerage-Konto transferiert.

Die Anklage wirft Van Dyke vor, gegen Geheimhaltungsvereinbarungen verstoßen zu haben, in denen er sich verpflichtete, keine sensiblen oder geheimen Informationen über militärische Operationen preiszugeben.

Präzedenzfall für Vorhersagemärkte

Die US-Behörden nutzen in diesem Fall erstmals die sogenannte „Eddie Murphy Rule“ (Section 746 des Dodd-Frank Act von 2010), um den Handel mit nichtöffentlichen Regierungsinformationen zu ahnden. Der Spitzname der Regel geht auf den Film „Trading Places“ zurück und verbietet den Handel mit gestohlenen oder missbräuchlich verwendeten Regierungsdaten.

Die Plattform Polymarket betonte in einer Stellungnahme, dass sie nach der Identifizierung des mutmaßlichen Insiderhandels die US-Behörden eingeschaltet und mit der Ermittlung kooperiert habe. „Insiderhandel hat auf Polymarket keinen Platz. Die heutige Verhaftung zeigt, dass das System funktioniert“, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Mögliche Haftstrafen von bis zu 50 Jahren

Van Dyke wurde wegen Wire Fraud (Betrug über elektronische Kommunikation) angeklagt, wofür eine maximale Haftstrafe von 20 Jahren droht. Zudem wird ihm unrechtmäßige Geldtransaktion vorgeworfen, was mit bis zu 10 Jahren Gefängnis geahndet werden kann. Zusätzlich sieht die Anklage drei Verstöße gegen den Commodity Exchange Act vor, die jeweils mit bis zu 10 Jahren Haft bestraft werden können.

Die Ermittlungen werden vom FBI und der CFTC weitergeführt. Die Vorwürfe unterstreichen die wachsende regulatorische Aufmerksamkeit für Vorhersagemärkte, die zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Quelle: Axios