Virginia gibt grünes Licht für umstrittene Wahlkreis-Neuziehung

Bei einer Sonderwahl haben 51 Prozent der Wähler in Virginia einer stark manipulierten Kongresskarte zugestimmt. Damit wird die Demokratische Partei voraussichtlich bei den anstehenden Midterms 10 von 11 Sitzen im Repräsentantenhaus gewinnen. Aktuell hält die Partei sechs Sitze, die Republikaner vier.

Neue Karte begünstigt Demokraten massiv

Normalerweise wird die Kongresskarte in Virginia von einer unabhängigen Kommission erstellt und vom Parlament genehmigt. 2020 hatten die Wähler dieses System eingeführt, um frühere, von der Assembly kontrollierte Karten zu ersetzen – diese waren wegen republikanischer Vorteile kritisiert worden. Die gestrige Abstimmung ermöglichte es den Gesetzgebern nun wieder, Wahlkreise direkt nach parteipolitischen Interessen zu gestalten.

Kritik an undurchsichtiger Abstimmungsfrage

Die Formulierung der Abstimmungsfrage wurde als extrem voreingenommen kritisiert.

„Die Wortwahl ist so absurd einseitig, dass sie ohne inhaltliche Prüfung abgelehnt werden sollte.“
— Robby Soave, politischer Kommentator

Kontroverse Wahlkreisformen: Lobster-Distrikt sorgt für Spott

Die neue Karte enthält ungewöhnlich geformte Wahlkreise, darunter einen, der an einen Lobster erinnert. Dieser verbindet republikanisch geprägte Gebiete im Westen mit stark demokratischen Vorstädten um Washington D.C. – ein Vorgehen, das Demokraten als „fair“ bezeichnen. Die Republikaner sehen darin jedoch gezieltes Gerrymandering.

Gerrymandering als nationales Phänomen

Demokraten rechtfertigen ihre Manipulation mit ähnlichen Praktiken der Republikaner in Staaten wie Texas. Dort werden aktuell fünf zusätzliche Kongresssitze für die GOP erwartet. Auch in Kalifornien hatten Wähler 2023 eine von einer Kommission erstellte Karte zugunsten einer neuen, fünf weitere demokratische Sitze schaffenden Version verworfen. Beide Karten überstanden bisher juristische Prüfungen.

Nach der Abstimmung in Virginia könnten die Demokraten laut NPR einen Sitz hinzugewinnen. Dieser Vorteil könnte jedoch wieder verloren gehen, falls Florida seine geplante Neuziehung umsetzt.

Technische Lösungen möglich – politische Hürden bleiben

Experten wie Eric Boehm von Reason argumentieren, dass technische Lösungen gegen Gerrymandering existieren: Computer könnten kompakte, zusammenhängende Wahlkreise ohne „Packen“ oder „Cracken“ von Wählern erstellen. Doch die politische Realität zeigt: Letztlich entscheiden Gesetzgeber und Wähler über das System – und oft zugunsten der eigenen Partei.

Quelle: Reason