Quantencomputer bedrohen Bitcoin – doch Datenschutz bleibt sicher
Kryptowährungen wie Bitcoin könnten durch Quantencomputer gefährdet sein – zumindest theoretisch. Doch eine neue Studie von Coinbase, durchgeführt mit Unterstützung von Forschern der Stanford University und der Ethereum Foundation, kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Datenschutzprotokolle in der Blockchain sind immun gegen Quantenangriffe.
Während die Kryptobranche über die potenziellen Risiken von Quantencomputern diskutiert, zeigt die Analyse, dass Zero-Knowledge-Beweise und Mixer wie Aleo, Aztec, Railgun oder PrivacyPools auf informations-theoretischen Systemen basieren. Diese sind selbst gegen unendlich leistungsstarke Angreifer sicher, da sie nicht auf Verschlüsselung, sondern auf der Struktur und dem Austausch von Informationen beruhen.
Warum Quantencomputer Bitcoin gefährden könnten
Die Sorge vor Quantencomputern ist nicht unbegründet. Google warnte bereits im März in einem Bericht, dass neue Quantencomputer die Verschlüsselung von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen in nur neun Minuten knacken könnten. Die Studie von Coinbase bestätigt diese Gefahr, betont jedoch, dass die Bedrohung nicht unmittelbar bevorsteht.
„Wir sind überzeugt, dass ein großangelegter, fehlertoleranter Quantencomputer irgendwann gebaut werden wird. Blockchains müssen sich darauf vorbereiten.“
Experten wie der UBS-CEO Sergio Ermotti und der Hedgefonds-Manager Ray Dalio hatten bereits im Januar vor den Risiken für Bitcoin gewarnt. Doch die Coinbase-Studie zeigt auch: Nicht alle Kryptowährungen sind gleich gefährdet.
Welche Assets sind am stärksten betroffen?
Besonders anfällig sind Kryptowährungen, die auf elliptischen Kurven basieren und deren öffentliche Schlüssel bereits in der Blockchain sichtbar sind. Bitcoin ist hier ein Paradebeispiel: Rund 6,9 Millionen BTC befinden sich in Adressen, deren öffentliche Schlüssel öffentlich einsehbar sind. Davon sind etwa 1,7 Millionen BTC in alten „Pay-to-Public-Key“-Ausgaben, darunter auch frühe „Satoshi-Ära“-Coins.
Sobald ein ausreichend leistungsstarker Quantencomputer verfügbar ist, könnten diese Schlüssel entschlüsselt werden. Besonders große Wallets – einige mit über 1.000 Bitcoin – wären die ersten Ziele. Die Studie vergleicht diese Adressen mit einem „Kanarienvogel im Kohlebergwerk“: Sollten sie plötzlich bewegt werden, wäre das ein Warnsignal für den Markt.
Laut einer Analyse von Chaincode Labs könnten zwischen 20% und 50% aller Bitcoin – also etwa 900 Milliarden US-Dollar – in einem solchen Szenario gefährdet sein.
Wie reagiert die Kryptobranche?
Die Bitcoin-Entwickler arbeiten bereits an Lösungen wie dem Vorschlag BIP360, um Schwachstellen bei Signaturen zu beheben. Die Ethereum Foundation hat zudem einen vierstufigen Fahrplan veröffentlicht, um ihr Netzwerk bis 2030 zu modernisieren.
Experten wie die Brokerage-Firma Bernstein relativieren die Bedrohung jedoch: Quantencomputing sei „weder existenziell noch neu und beschränkt sich nicht auf Kryptowährungen“. Statt Panik zu verbreiten, sei eine gezielte Vorbereitung der richtige Weg.
Die Studie unterstreicht damit eine wichtige Erkenntnis: Während einige Teile der Kryptobranche tatsächlich gefährdet sind, bieten Datenschutzprotokolle einen wirksamen Schutz vor zukünftigen Quantenangriffen.