Die automatische Start-Stopp-Funktion gehört heute zu den meistdiskutierten – und oft polarisierenden – Ausstattungsmerkmalen moderner Autos. Dabei ist die Technologie eigentlich neutral: Sie spart Sprit und reduziert Emissionen, ohne zwangsläufig politisch aufgeladen zu sein. Doch im Chevrolet Corvette E-Ray, den ich in den letzten Tagen gefahren bin, wirkt das Feature besonders fehl am Platz. Warum? Weil es hier nicht nur unnötig, sondern sogar störend ist.
Ein V8, der laut sein will – und muss
Der Corvette E-Ray ist kein Hybrid mit großer Batterie, der längere Strecken elektrisch zurücklegen kann. Stattdessen verbrennt sein 6,2-Liter-V8 fast durchgehend Benzin – selbst wenn er für wenige Meilen rein elektrisch fährt. Die Start-Stopp-Automatik soll hier theoretisch helfen, Kraftstoff zu sparen. Doch das Problem: Der Motor ist laut, und jedes automatische Abschalten und Wiederanlassen erschüttert das Auto spürbar. Für mich ist das ein befriedigendes Gefühl – aber an jeder Ampel? Unnötig.
Der LT2-V8 ist ein kraftvolles Aggregat, dessen Sound nur wenige Zentimeter hinter dem Fahrer sitzt. Doch während ich das kraftvolle Brummen genieße, empfinden es andere als Lärmbelästigung. Besonders bei höheren Temperaturen springt der Motor häufiger an, um die Klimaanlage mit kalter Luft zu versorgen. Das wiederholte Stottern und Aufheulen wirkt dann wie eine öffentliche Störung – und das in einem Auto, das eigentlich für puren Fahrspaß steht.
Luxus oder Sportwagen? Die falsche Technologie am falschen Ort
General Motors hat die Start-Stopp-Technik in den letzten Jahren stark verbessert. In einem gut isolierten Luxusauto wie einem Land Rover ist sie kaum wahrnehmbar – genau wie gewünscht. Ein solches Fahrzeug gleitet fast geräuschlos über die Straße, als würde es auf einer Wolke schweben. Doch der Corvette E-Ray will genau das Gegenteil vermitteln: ein Mittelmotor-Supercar, das mit roher Kraft und direktem Fahrgefühl begeistert. Die Start-Stopp-Automatik passt einfach nicht zu diesem Konzept.
Einstellungsmöglichkeiten? Fehlanzeige
Doch das ist nicht das einzige Problem. Selbst wenn man die Funktion deaktivieren möchte, gibt es im E-Ray kaum eine dauerhafte Lösung. Der Wagen bietet sechs Fahrmodi, darunter einen individuell anpassbaren „My Mode“. Doch selbst wenn man dort die Start-Stopp-Funktion ausschaltet, aktiviert sie sich beim nächsten Motorstart automatisch wieder. Eine dauerhafte Deaktivierung ist nicht möglich. Lediglich ein Schalter auf dem linken Touchpanel bietet schnellen Zugriff – was bedeutet, dass man vor jeder Fahrt erneut eingreifen muss. Für manche Autofahrer wird das ein Ausschlusskriterium sein. Ihnen kann ich nur sagen: Probiert es trotzdem aus – vielleicht überzeugt euch der E-Ray trotzdem.
Fazit: Die Start-Stopp-Automatik ist in vielen Autos sinnvoll, aber nicht im Corvette E-Ray. Hier stört sie den Fahrspaß und passt nicht zum Charakter des Fahrzeugs.