Wer in den USA eine Waffe kauft, egal ob ein AR-15, eine Pistole oder eine Schrotflinte, unterstützt damit indirekt den Artenschutz. Diese überraschende Verbindung besteht seit 1937 durch den Pittman-Robertson Act, ein Bundesgesetz, das eine Steuer auf Schusswaffen, Munition und Jagdausrüstung erhebt. Die Einnahmen fließen direkt an staatliche Wildtierbehörden, die damit Lebensräume schützen, bedrohte Arten überwachen und Jagd- sowie Fischereiprojekte koordinieren.
Wie die Waffensteuer den Artenschutz finanziert
Die Steuer beträgt 11 Prozent auf Langwaffen und Munition sowie 10 Prozent auf Handfeuerwaffen. Sie wird zusätzlich zu anderen Steuern auf die Hersteller oder Importeure erhoben. In den letzten zehn Jahren flossen jährlich fast eine Milliarde US-Dollar aus dieser Steuer in die Budgets der staatlichen Wildtierbehörden. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass der Pittman-Robertson Act im Jahr 2019 im Schnitt etwa 18 Prozent der Budgets dieser Behörden ausmachte. Weitere Einnahmequellen sind Lizenzgebühren für Jagd und Angeln sowie eine ähnliche Steuer auf Angelausrüstung.
Die Einnahmen aus der Waffensteuer steigen kontinuierlich – in den letzten zwei Jahrzehnten haben sie sich sogar verdoppelt. Der Grund dafür ist der gestiegene Waffenverkauf. Doch diese Finanzierungsquelle ist nicht unumstritten.
Ethische Bedenken und praktische Notwendigkeit
Kritiker bemängeln, dass die Finanzierung des Artenschutzes durch Waffenverkäufe moralisch fragwürdig sei. Sie befürchten, dass staatliche Behörden dadurch Anreize schaffen, den Waffenbesitz zu fördern, um ihre eigenen Budgets zu sichern. John Casellas Connors, Forscher an der Texas A&M University und Experte für den Pittman-Robertson Act, erklärt:
"Wildtierbehörden haben ein klares Interesse daran, den Zugang zu Schießmöglichkeiten zu erweitern, um den Waffenverkauf und die Nutzung von Schusswaffen zu fördern. So können sie ihre eigenen Budgets sichern."
Trotz der Einnahmen aus der Waffensteuer sind die staatlichen Wildtierbehörden weiterhin chronisch unterfinanziert. Sie sind für den Schutz von über einem Drittel aller Pflanzen- und Tierarten in den USA verantwortlich – eine Aufgabe, die durch den Klimawandel und andere Bedrohungen für die Biodiversität immer dringlicher wird. Ohne diese Steuer würden viele Artenschutzprojekte zusammenbrechen, warnen Experten.
Die Zukunft der Finanzierung
Die Debatte über die ethischen und praktischen Aspekte dieser Finanzierungsmethode hält an. Während einige die Verbindung von Waffenverkäufen und Artenschutz als paradox kritisieren, betonen andere die dringende Notwendigkeit dieser Einnahmen. Fest steht: Die staatlichen Wildtierbehörden benötigen mehr Mittel, um den Artenschutz langfristig zu sichern – unabhängig von der Herkunft der Gelder.